Rolllerrrr – ein Fazit

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Posted 15 Aug 2008 in Allgemein, Frankfurt, Roller, Stuttgart

Piaggio ZIP So, nun bin ich ja seit ein paar Wochen stolzer Besitzer von Rosi = Rosinante = einer Piaggio ZIP. Zeit, Bilanz zu ziehen. Rosi wieder hergeben? No way! Aber ein paar Dinge sollte man sich als Autofahrer durch den Kopf gehen lassen, bevor man auf einen Roller umsteigt. Klar, die Zahlen sprechen für sich: Anschaffung Zip: 1200€, Versicherung ca. 120€p.a. Eine Tankfüllung 10€ – reicht bei mir für 3 Wochen. Und geparkt ist das kleine Teil im Handumdrehen.

Aber im Handling ist das schon ganz was anderes als Autofahren. Vieles davon liegt zwar auf der Hand. Die Auswirkungen im Alltag merkt man dann doch erst mit der Zeit:

Parken – Das ist sicher das größte Plus beim Rollerfahren. Egal, wo man hinfährt – man hat immer einen Parkplatz. Das ist echt der Hammer!

Gurt – das war das erschreckendste Erlebnis auf dem Roller. Bei meiner ersten Vollbremsung habe ich erst mal realisiert, dass man sich beim Autofahren drauf verlässt, dass einen der Gurt in Position hält. Beim Roller rutscht man hingegen mit vollem Impuls (73kg * 45km/h) Richtung Lenker und muss sich mit den Armen abstützen, wobei der rechte auch noch mit dem Gashebel abgelenkt ist. Scary. Das schärft den Blick für den Sicherheitsabstand.

Gleichgewicht – ungleich dem Autofahren ist das Teilnehmen am Straßenverkehr doch etwas anstrengender, da man mit dem ganzen Körper fährt. Und das Kurvenfahren will geübt sein.

Heizung – der Griff ans Armaturenbrett beim ersten Frösteln bringt schnell Ernüchterung. Kein Armaturenbrett da. Kein Griff für die Heizung. Nada, niente! Brrrr.

Radio – das Einschalten von Musik nach den ersten 50m fällt ebenfalls flach. Die Ohren sollte man ohnehin lieber offen halten, damit einen ein überholender LKW nicht überrascht

Stolz – als Rollerfahrer ist man nahe dem unteren Ende der Nahrungskette im Straßenverkehr. Wenn man zuvor im 3er unterwegs war heißt es: Umdenken! Wohl dem, der sein Selbstwertgefühl nicht an der Karosse festmacht. Wohl mir, also.

An Schlangen vorbei fahren – mach ich nicht. Dazu bin ich zu oft auch im Auto unterwegs um zu wissen, dass das völlig nervt.

Keine exakte Spritanzeige – erst blinkt es sporadisch, dann öfter, dann immer wenn man bergauf fährt. Und wenn das vierte Lichtlein brennt (also das Eine permanent), dann heißt es: Tanken! 10€ s.o.

Uhr – bin ich in Time oder spät dran? Ein Blick auf die Instrumente bringt keine Klärung. Da ist nur ein Tacho und ein paar Lämpchen. Und mal eben mit der rechten Hand den linken Ärmel lupfen zum Schauen ist auch schwierig, zumindest bergauf, weil man ja mit rechts Gas gibt. Also: Vorher schauen oder Uhr vorher aus dem Ärmel kramen.

Kommunikation – sehr schön ist die direkte Ansprache an verdiente Verkehrsteilnehmer im Bedarfsfall, also bei besonderen Leistungen. Diese ist dank des offenen Visiers jederzeit möglich. Zum Glück werden meine hessischen Schimpftiraden (*eifahrhaltdusimbl*) hier nur eingeschränkt verstanden.

Handy – wenn man einen Anruf erwartet kann man das Gespräch trotz eventuell vorhandener sofortigen Anhaltemöglichkeit nicht einfach annehmen. Kann man schon, nur hört man durch den Helm so schlecht. Mein Vorgehen: Rechts ran, Handy raus, Gespräch annehmen und erst mal laut verkünden, dass der andere doch bitte dran bleibt, da man ihn nicht hören kann und sich erst des Helms entledigen muss.

Stadtplan – neben sich legen geht auch nicht. Vorher schlau machen.

Kaugummi – Mit der Zunge kann man ja wunderbare Akrobatik veranstalten beim Kauen. Dumm nur, wenn man beim Rausstrecken zum Zwecke des Blasen machens an die Vollvisierscheibe stößt. Zum Glück ist nichts hängengeblieben.

Niesen – mit heruntergezogenem Vollvisier sollte man das Niesen besser unterdrücken. Ist ne Riesensauerei.

Speed – oder eben nicht Speed. Naja, Ali, das ist so eine Sache. Offiziell machen die kleinen Biester nur 45km/h. Klar übertreibt der Tacho ein wenig, aber wirklich schnell ist man nicht. Man ist ja eher gewohnt in der Stadt einen Tick über den 50km/h zu fahren. Und da ist beim Roller schon längst Schluss. Bergab zählt ja nicht wirklich. Ausserdem wird es einem auf der Rennsemmel da schon ein wenig anders. Rosi ist zudem ein Viertakter. Die sind weniger spritzig als die typischen Vespas mit Zweitaktern. Unterschied ist halt, dass der Viertakter eher dieses ‘brrrrrrrr’ macht und der Zweitakter das nervige ‘bängbängbäng’. Fazit: Langsamer als mit dem PKW ist man in jedem Fall, aber mit nem Zweitakter ginge es noch etwas schneller als mit meiner kultivierten, aber dafür mäßig beschleunigenden Rosi.

Einkaufen – Kleinigkeiten gehen klasse, das Helmfach ist recht groß. Einen kleinen Kasten WASSER kann man auch vorn zwischen die Füße nehmen (darf man das? ich weiß es nicht!). Aber alles, was darüber hinaus geht und auch nicht in den Rucksack passt funktioniert nicht. Vorn ist noch ein Haken, an dem man Taschen am Henkel fixieren kann, aber der ist da eher symbolisch.

Kleidung – Ich fand Motorradfahrer mit ihren schweren Jacken ja schon immer albern, aber selbst auf dem Roller merke ich, wie einem der Fahrtwind durch die Klamotten pfeift. Ergebnis: Auch im Sommer besser eine Jacke drüber. Meine einzig in Frage kommende ist eine grellgelbe Laufjacke, mit der ich dann wie ein menschgewordener Leuchtmarker aussehe. Was tut man nicht für die Sicherheit.

Blinker – nicht über Rollerfahrer wundern, die auf einer laaangen Geraden immer noch blinken! Ungleich einem PKW besitzt der Roller keinen Mechanismus, der den Schalter bei Wiedererreichen der Geradeaus-Position wieder deaktiviert. Die Disziplin, den Blinker wieder manuell abzuschalten muss man sich erst einmal angewöhnen.

Spielraum – wenn beim Autofahren die Ampel auf Gelb springt kann man im Auto noch mal schnell Gas geben und ein paar km/h über das Erlaubte zulegen, um noch über die Kreuzung zu kommen. Beim Roller ist bei 50km/h Schluss. Sehr deprimierend.

to be continued…


5 Comments

  1. Wie ist es denn mit dem Speed? Ist das Teil flott genug fuer die Stadt oder mit 45 km/h doch zu lahm?

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  2. Marita

    gute Aspekte mir das Rollerfahren aus dem Kopf zu schlagen.
    Ohne Handy und Radio geht gar nicht :-). Auch wird es sowiese langsam Winter und kalt. Aber es reicht auch schon, bei meinem täglich Ritt (per Auto natürlich) ins Geschäft, wenn so ein kleiner Roller vor mir hertuckert, ich diesen voller Stolz überhole, und wie kann es sein, die kleine Heuschrecke fährt doch an der nächsten Ampel grinsend an mir vorbei. Aber bei schönem Wetter und ohne Stress macht Rollerfahren bestimmt ne Menge Spass. Den Kaugummi kann man sich ja für später aufheben. Ein leckeres Bonbon tuts dann derweil auch.

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  3. Andy

    Danke für die Ausführungen der Herr!!! ;-)
    Wollten auch überlegen so ein Teil zu holen….bleibt erstmal doch wohl eher das Auto…Außerdem kommt ja auch bald der Winter….

    Gruß,
    Andy

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  4. Ich sollte mir ein T-Shirt drucken: “Rollerfahren ist geil” (in passendem Farbschema zu bekannten Spruch).
    Nee, mal im Ernst, ich bin vor 7 Jahren zum studieren in die große Stadt gezogen und hab aus Parkplatz- und Kleingeldknappheit meinen Clio gegen eine Roller getauscht, inzweischen fahre icghh auch so einen Piaggio ZIP (in schwatz, der lustigen Seite von schwarz) und ich will meinen kleinen Flitzer ganz bestimmt nicht loswerden.

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  5. dan

    naja, bei den ansichten kann ich nur empfehlen den roller wieder auf den markt zu werfen. in welcher welt leben sie den?

    wenn ihnen zB 45 km/h am roller nicht reichen überlegen sie doch mal: dose(auto) fährt im durchscnitt in der stadt unter 30 km/h. durch wendigkeit und der rechtlich abgesicherten erlaubnis (!) an der kolonne vorbeizufahren wären sie per se eigentlich schneller.

    üben sie bremsen, der sicherheitsabstand allein machts nicht aus. wenn sie sich beim bremsen am lenker abstützen müßen geht ihnen die stabilität eventuell flöten, sie rutschen bei blockierenden reifen geradeaus bis das vorderrad eventuell seitlich wegrutscht und sie auf die pfeife fallen – ihr schlüsselbein und kopf wird es ihnen nicht danken.

    beim autofahren dürfen sie auch nicht telefonieren, und freisprech am mobile mit kabel geht erst recht am roller.

    stadplan im auto nebenbei lesen: auch nicht gerade intelligent. vorher “schlau” machen.

    und hören sie auf bei gelb schnell gas zu geben – sonst erwischen sie mal einen radfahrer, fußgänger oder anderen motorisierten verkehrsteilnehmer der auch bei gelb wegfährt…

    alles in allem möchte ich ihnen im verkehr weder am fahrrad, mopped, noch am motorrad oder auto begegnen. ihre aussagen sprechen für sich. :(

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