Twitter und Toleranz

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Posted 26 Jan 2009 in Allgemein, Twitter, Webwelt

Mal ernsthaft: Ich rege mich ja auch schnell auf, bin dann in Sekundenbruchteilen auf 180, aber wenige Augenblicke dann auch wieder im Cruising-Modus. Ich bin halt so. Darum ist es auch gut, dass ich unter der Woche fast nur mit der Bahn unterwegs bin und nicht so viel Auto fahre.

Twitter ist meines Erachtens ein Ort(sic!), an dem die schnelle Aufregung und die vorschnell heraus gebrachte Kritik aber nun mal völlig unangebracht ist. Es ist ja nur logisch, dass Twitterer, die bereits Monate oder Jahre (so viele können es ja nicht sein) dort unterwegs sind mittlerweile einen gewissen Stil und Anspruch pflegen und ihn auch praktizieren. Schön für sie, Haken dran. Aber viele, die sich dort glücklicherweise tummeln sind unbefangene drauflos zwitschernde Neulinge, die sich vorher eben nicht so viele Gedanken über ihren nächsten Tweet machen, sondern frei drauflos zwitschern. Authentisch und wortreich. Und so soll es ja auch sein!

Ich habe ja selbst schon so manches mal den Kopf geschüttelt, wenn da jemand ohne jeden erkennbaren Zusammenhang ein paar Begriffe twittert oder Links unkommentiert postet, die womöglich noch über einen URL-Shortener unkenntlich gemacht sind wodurch man nun gar nicht mehr ahnen kann, was einem nach dem Anklicken erwartet. Andere shakern über Stunden per @Reply miteinander herum, weil sie sich gerade ein Stück näher gekommen sind.

Nun könnte man hergehen und denjenigen darauf hinweisen, dass er meine Timeline mit seinem Chat überflutet und ihm den Wechsel zu Direct Messages nahe legen. Für einen Moment war mir danach. Aber: Ist es nicht süß und nett mit anzusehen, wie sich da zwei näher kommen? Ich fand es leztlich drollig und habe davon abgesehen, die beiden womöglich per öffentlicher @Reply darauf hinzuweisen. Das hätte die beiden Turteltäubchen doch nur unnötig unter Druck gesetzt.

Manche Tweets entsprechen nicht gerade allen Schulregeln der deutschen Sprache. Na und? Muss derjenige dann wirklich öffentlich (per unkommentiertem Link) darauf hingewiesen werden? Wer jeden seiner Tweets vor dem Absenden einer umfänglichen Prüfung auf sprachliche Regelkonformität unterzieht nimmt sich letztlich die Authentizität und raubt sich selbst einen Gutteil des Spaßes am Twittern.

Zusammengefasst: Entweder kenne ich denjenigen und kann diese Aktionen dann zuordnen, dann macht es mir nichts aus. Bei anderen bin ich dann verwirrt, ärgere mich vielleicht, kann dem/der Guten mich dann  im Extremfall mit 2 Klicks von der Fährte entfernen. So einfach!

Freedom of Choice! Toleranz! Leben und leben lassen! Davon lebt das Ganze letztlich ja. Tweet on!


4 Comments

  1. Ich glaube, dass dies einen ganz einfachen Grund hat, warum die Leute hier so extrem reagieren. Sie möchten nicht, dass der Twitter zum allgemeingut wird und zum Spaß genutzt wird. Er sollte sachlich und auch realistisch bleiben. Ich denke darum sind die Reaktionen so krass. Gut finde ich das nicht, wenn man Leute kritisiert und sozusagen an den Pranger stellt nur weil sie nicht perfekt deutsch sprechen. Die wenigsten Deutschen können wirklich fehlerfrei deutsch. Man sollte da schon etwas toleranter sein finde ich.

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  2. Der pheine und phornehme Herr Sauer:

    Sehr treffend und sehr richtig beschrieben!

    Da kann ich nur den Yesman geben 100 percent agree; scheinbar gehen kurze Kommunikationswege und “kurze Lunte” bei manchen web-2.0-Anwendern Hand in Hand ;-)

    Werde ich mal re-tweeten.

    Beste Grüsse, Schomberg.

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  3. Ich glaube, vieles liegt an unserer “deutschen Mentalität”. Schau ich mir amerikanisches, französisches, italienisches Twitter-Verhalten an, so beschleicht mich oftmals das Gefühl, dass wir (nicht alle) es mit dem Twittern zu ernst nehmen und nur 100% (sinnvolle) Information wünschen. Flirten oder ein bisschen schäkern auf Twitter? Bitte dafür einen Flirt Community verwenden! Sich zu fünft beratschlagen wann die nächste (Twitterer-) Grillfeier ansteht? Dafür gibt es ICQ oder Skype!

    In den o.g. Ländern ist das twittern über solche Dinge gang und gäbe und es stört niemanden (oder nur wenige).

    Ich kann mich dir nur anschließen und hinzufügen: Man kann auch “entfollowen” ;-)

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  4. Genau! Na und? Man vertippt sich, viele beherrschen kein Schriftdeutsch oder nur unzureichend, v.a. wenn es um korrekte Rechtschreibung geht. Kann mich Falk nur anschließen. Di ganze Aufregung von selbsternannten Kulturhütern ist nur Wichtigtuerei.

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