BarCamp München

nametag_bcmucGerade bin ich auf dem Rückweg vom BarCamp München. Und anders als in Stuttgart war ich diesmal bei der gesamten Veranstaltung dabei! Die Warm-up-Party geriet ein wenig klein, aber war trotzdem ein großer Spaß.

Nicht zuletzt verantwortlich dafür, dass ich mich sehr wohlgefühlt habe war, dass ich zum einen schon mit Oliver Gassner angereist bin (eine Zugfahrt mit ihm ist NIE langweilig) und zum anderen habe ich dort viele wieder getroffen, die ich durch die pl0gbars in Stuttgart kennen und schätzen gelernt habe. Als da wären u.a Jan Theofel und Philipp Renger. Abotis habe ich endlich persönlich kennen lernen dürfen und auch HappySchnitzel hat vorbei geschaut.

Alles in Allem war das BarCamp eine absolut runde Sache. Auch an dieser Stelle noch einmal großen Dank an das Orga-Team! In der Feedbackrunde wurden zwar viele Punkte gefunden, die man verbessern konnte. Aber allein anhand der Themen, die da aufgebracht wurden konnte man erkennen, dass man sich eigentlich nur noch mit Luxus-Problemen herumschlagen muss, es im Kern aber wunderbar passt. Witzigstes Problem war die chronische Steckdosenknappheit, die abends in der Niederlassung geherrscht hat. Jede einzelne war heiß begehrt und i. d. R. mit einem weißen Netzteil belegt.

Was mich bei den beiden BarCamps, die ich erlebt habe (Stuttgart, 1 Tag und nun eben München) am meisten beeindruckt hat, war das hohe Maß an Disziplin und Selbstorganisation, das die Teilnehmer an den Tag gelegt haben. So wurden fleissig Sessions angeboten und bei der Durchführung war es (fast) immer so, dass konstruktiv, diszipliniert und vor allem positiv miteinander ein Thema oder auch gerne interessante Verästelungen desselben diskutiert wurden. Klar gibt es immer wieder Einzelne, die sich an einzelnen Folien und Statistiken aufhängen, diese werden aber recht schnell eingebremst und die Session wieder auf einen produktiven Pfad zurückgeführt.

barcamp-muc-468-blau09Unbezahlbar ist es, was die Anbieter der Sessions da anzubieten haben: Da werden Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing mit all seinen Stärken und Schwächen geteilt oder über tatsächliche Kosten und Risiken von Social Media in Unternehmen präsentiert und darüber diskutiert. Wo sonst findet man zu dermaßen aktuellen, spannenden Themen einen ehrlichen und unprätenziösen Einblick? Eben: nirgends oder allenfalls im vereinzelten Gespräch.

Ich habe tolle Leute kennen gelernt und interessante Kontakte geknüpft und war froh, dass ich hier und da doch einiges einbringen konnte – wenn ich schon keine eigene Session angeboten habe.

In der Abschlusssession wurde ein interessanter Ansatz eingebracht, den ich hier aufgreifen möchte. Jan hat vorgeschlagen, dass sich erfahrene BC-Teilnehmer (Ein absolviertes BC reicht) als Paten für Neulinge anbieten. Nun ist es ja so, dass BC gern als „Unkonferenzen“ angekündigt werden, bei denen jeder aktiv mitmachen muss, möglichst eine Session hält. Die gute Nachricht für Neulinge: Locker bleiben – so streng ist das nicht!

Es finden sich immer genug Experten, die spannende Sessions anbieten. Das halten einer eigenen Session, womöglich beim ersten Mal, ist absolut nicht notwendig. Aber man sollte im Gegenzug – quasi als Ausgleich – rege an Diskussionen teilnehmen und so viel wie möglich an Input beisteuern und wenn es nur die eigene Wahrnehmung und Meinung ist. Das ist schon mehr, als so manche BarCamp-Teilnehmer tun.

Wenn also jemand an einem der nächsten BC teilnehmen möchte und sich vielleicht vorher mit jemandem unterhalten möchten, gern auch auf der Anreise nehmt Kontakt mit mir auf! Entweder per Mail oder ruft mich an: 0160 / 974 70 848. Ich werde als Nächstes an den BarCamps in Liechtenstein (14./15.11.09) und in Mainz (28./29.11.09) teilnehmen.

Als nächstes möchte ich über die Sessions berichten, die ich besucht habe. Ein Photo des Sessionboards hat @scholt dankenswerterweise online gestellt.

Zu den einzelnen Sessions:

Twittern für Fachverlage

Da ich mich auch Arbeitgeber-bedingt sehr für das Corporate Twittern interessiere habe ich an dieser Session teilgenommen und festgestellt, dass sich wirklich jeder mit denselben Fragen auseinander setzen muss und dass ich zu dem Thema eigentlich schon recht weit mit meinen Überlegungen bin. Aber dazu mehr an anderer Stelle. Die Branche ist dabei so gut wie austauschbar, solange es um B2C-Geschäft geht. Es werden sich immer die selben Fragen gestellt:

  • Ein oder mehrere Accounts?
  • Mit welchen Schwerpunkten?
  • Tweetfrequenz?
  • Scheduled Tweets?
  • Persönlich/unpersönlich?
  • RSS-Feeds als Tweets raushauen?
  • Automatisierter Following-Dank?
  • DMs oder lieber nicht?

Zu all dem habe ich eine Meinung und habe fleißig mitdiskutiert.

Google Wave early adopters
(leider parallel zum Thema Online Betrug / Zahlungsausfälle)

Die Session mit den gesegneten(?), die bereits über einen Google Wave Account verfügten fand ich sehr spannend. Leider habe ich noch keinen, aber ich nutze bewusst die noch-Outsider-Perspektive um besser einzuschätzen, was Wave nun wirklich bringt, wofür es geeignet ist und wo seine Grenzen und Schwächen sind.

Einig war man sich darin, dass Wave entgegen dem, was man von Google kennt sehr kompliziert und wenig selbsterklärend ist. Nach dem Video der Präsentation bei einer Entwicklerkonferenz habe ich mir das alles ganz einfach und intuitiv vorgestellt. Scheint es aber nicht zu sein. Erschrocken habe ich mich, dass es Vandalismus bei Google Wave gibt! Es ist Usern möglich, das konstruktive Werk anderer unnutzbar zu machen. Darf es so etwas geben? Ich meine nicht. Aber gut, ich kenne vielleicht die Vorteile dieser Offenheit auf Wave zu wenig, die soetwas womöglich hinnehmbar machen.

Es kam klar heraus, dass selbst die Teilnehmer dieser Session (ca. 30 Leute) sich nicht einig waren, wofür man Wave denn bitteschön nun eigentlich nutzen sollte / könnte. Immer wieder wurde das Stichwort ‚Kollaboration’ bemüht. Darunter verstehe ich allerdings nicht, dass beliebig viele Leute an derselben Sache ziellos herum schrauben können, sondern, dass ein bestimmter (offen oder geschlossen sei mal dahin gestellt) Personenkreis an einem gemeinsamen Ziel arbeitet und sich in diesem Geiste auch einbringen. Ergo Arbeitsgruppen, deren Teilnehmer ihre Energie einbringen, um etwas bestimmtes zu erreichen.

Dass es hingegen Waves gibt, die scheinbar kein Ziel und Zweck verfolgen und nur zum Einhauchen von Leben in die neuen Wellen da sind war mir neu. Vielleicht entstehen hier ja Zufallsprodukte, die für etwas gut sind. Klang aber bei der Session nicht so. Wahrscheinlich sehe ich das Thema völlig anders, wenn ich erst einmal selbst wave. Invites gern an mail@sauerspace.com. Die dazu parallel verlaufende Session Online Betrug / Zahlungsausfälle habe ich leider nicht wahrnehmen können. Hätte mich auch sehr interessiert.

Was kostet Social Media?

In dieser Session wurde sich mit der allzu gern pauschal hervorgebrachten Aussage: Social Media? – ‚Kostet ja alles nichts’ auseinander gesetzt. Zum Einen ist auch die aktive und professionelle Aktivität auf diesem Spielfeld durchaus mit Personalaufwand verbunden, zum anderen birgt sie einige Risiken und Unwägbarkeiten.

Mein aggregiertes Verständnis: Es gibt zwei wesentliche Risiken, die sich trotz der kostenlosen Verfügbarkeit der Werkzeuge darstellen: Zum Einen ist die Skalierbarkeit nur schwer abzuschätzen, ergo fällt mir die Planung des Personaleinsatzes schwer, der aufgebracht werden muss, um das Thema (z. B. eine Fanseite auf Facebook) zu beackern. Der Aufwand kann also fremdgesteuert explodieren und ich habe so gut wie keinen Einfluss darauf. Zum Anderen ist die mit der Aktivität geweckte Erwartungshaltung nicht zu unterschätzen. Mit einer Präsenz in den gängigen Plattformen erzeugt man automatisch eine Erwartungshaltung, das angebotene zum einen zumindest weiter zu führen oder eher noch auszubauen!

Wenn ein Unternehmen auf einmal feststellt, dass der Aufwand durch z. B. unerwartete Popularität, womöglich durch von anderen Usern eingebrachten Content explodiert kann es schwerlich einfach die Reißleine ziehen und den Einsatz begrenzen oder womöglich ganz einstellen! Das kommt einer kleinen PR-Katastrophe gleich, die im Web schnell die Runde macht und publik wird.

Videoschnitt Kodak (eigentlich wollte ich zur Session ‚Die Macht der Präsentation’ In diese Session habe ich mich eigentlich nur verirrt, weil ich in den falschen Raum gegangen bin)

Ich saß ganz am Ende des vollbesetzen Raumes und zu allem Überfluss hat die Session verspätet begonnen. Als ich dann realisiert habe, dass ich mich in der falschen Session befand war an Flucht nicht mehr zu denken. Aber wie es meinem Naturell entspricht, habe ich das beste daraus gemacht und viel über Kameraführung, Aufzeichnungstechniken und über die neuesten Modelle von Kodak gelernt. Nunja.

Facebook Marketing / Privacy

facebookSehr spannend fand ich die Session der Jungs von Facebookmarketing.de, in der wir lernen könnten, wie man sinnvoll auf Facebook anhand von Seiten Marketing betreiben kann. Eingeleitet wurde die Session von einem Ausflug in die Privacy-Settings auf Facebook, von denen mit die meisten gänzlich unbekannt waren.

Erschrocken habe ich mich über die Aussage, dass Apps, die meine Kontakte freigeben auch Zugriff auf das volle Set meiner Daten auf Facebook haben – was ich für eine komplette Unmöglichkeit halte! Dass es so etwas in Deutschland geben darf ist mir ein absolutes Rätsel! Aber vielleicht habe ich es ja falsch verstanden, glaube ich aber nicht.

Entspannung (mit @oliverg)

Die letzte Session des Samstags war zum Thema Entspannung. Aufgrund der mäßigen Resonanz hatten Martin Koser (@frogpond) und ich Oliver für uns allein und wir haben verschiedene Techniken zu Entspannung kennen gelernt, die wir auch gleich exerziert haben. Lediglich mein gespannter Gürtel (Kurz davor gab es Semmeln und lecker Getränke) hat mich davon abgehalten bei der Progressiven Muskelentspannung vornüber von meinem Stuhl zu fallen. Großartige, einfache Techniken sehr anwendbar von Oliver demonstriert. Ein absolutes Muss für das nächste BC. Wer sich das nicht gibt ist selber schuld!

Scrum

scrum_resScrum – so viel habe ich darüber gehört und so viel darüber gelesen. Aber es ist immer etwas Anderes, diese Projektmanagementmethode endlich einmal von jemandem präsentiert zu bekommen, der sie in der Praxis anwendet! Sehr erhellende und spannend präsentierte Session!

Mass Customization (mit @tabsl)

Sehr spannend im Hinblick auf meine persönliche ‚Vergangenheitsbewältigung’ fand ich die erste Session des Sonntags  zur Mass Customization. Ich habe damals als Senior Producer (Projektleiter) bei web.de das Projekt MyShirt geleitet, wo sich Kunden ihr T-Shirt individuell textlich gestalten konnten. Es war sehr spannend, das Thema ‚Massenprodukte, die durch den User zusammen gestellt oder ausgestattet werden’ einmal aus der Perspektive von Marmeladen– und Liqeur-Versendern zu hören. Dass ich damals schon indirekt mit Jan Theofel zusammengearbeitet habe macht das Thema umso interessanter.

Cloud Computing

cloudcomputing_resDas Thema der verteilten oder ausgelagerten Rechen- und Speicherleistungen war auch sehr spannend. Aber ich habe mich in meiner bisherigen Einschätzung bestätigt gefühlt, dass die schier unbegrenzt verfügbare Power zum einen gar nicht unbedingt notwendig ist, viel wichtiger aber: dass die Abhängigkeit und die Unberechenbarkeit von Google und Amazon als amerikanische Giganten, die sie nun mal sind, nicht zu unterschätzen ist.

Müsste ich heutzutage einen Service hosten lassen – ich würde wohl solange es noch geht auf eine kontrollierbare, möglichst einheimische Infrastruktur zurück greifen anstatt mich auf die immanenten Ungewissheiten, die mit Google und Co. Einher gehen einzulassen.

Blogcheck

blogcheck_resEin informativer Riesenspaß war der Live-Blogcheck mit Oliver Gassner. Ich hatte bis dato leider nie die Gelegenheit, einmal dabei zu sein, aber am Sonntag hat es endlich geklappt. Ich wollte schon immer wissen, wie er die Erfolgsfaktoren eines Blogs greifbar macht und konkrete Verbesserungsvorschläge macht und wurde nicht enttäuscht!

Zufällig aus dem Podium zugerufene URLs wurden aufgerufen und die sich dahinter verbergenden Blogs einer Schnellanalyse unterzogen. Und jedes der betrachteten Blogs brachte andere Themen in den Fokus, die Oliver schön kurz und knackig auf den Punkt gebracht hat. Hmm. Ein paar Kleinigkeiten für den SauerSPACE sind dabei auch heraus gekommen. Ich habe mich aber nicht getraut, mein Blog in den Ring zu werfen. Das mache ich dank meines ‚persönlichen Zugriffs’ auf Oliver lieber mal persönlich.

barcamp-muc-468-weiss09

  6 comments for “BarCamp München

  1. 19. Oktober 2009 at 15:28

    Nette Zusammenfassung des Wochenendes! War super dabei zu sein und es ist richtig nett von dir, dass du dich schon gleich als „Neuling-Pate“ anbietest. Ich bin auch nur durch einen „alten Hasen“ auf die Idee gekommen, teilzunehmen und hab es nicht bereut! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder auf einem Barcamp.

  2. 19. Oktober 2009 at 18:12

    Hallo Karsten
    Freue mich sehr dich beim 1. BarCamp Liechtenstein [1] wieder zu sehen!
    Ich hoffe du bringst viel positives BarCamp München Charma mit nach Liechtenstein!
    Danke für die Infos.
    Gruss Sacha … freue mich.
    [1] http://www.barcamp.li/index.php/BarCamp_Liechtenstein_2009

  3. 19. Oktober 2009 at 20:03

    Moin Karsten!
    War mir auch eine Ehre!

    Man sieht sich hoffentlich bei einem der nächsten Veranstaltungen.

  4. 20. Oktober 2009 at 14:07

    Also, ich bin froh, dass ich den Blog-Check gewagt hab. Zumal es wenig auszusetzen gab und die paar Verbesserungsvorschläge richtig gut waren ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.