Die vier Seiten eines Tweets

Es ist eine Weile her, da habe ich in einem Buch gelesen, in dem es um die Analyse von Kommunikation ging und bei dem das Modell der ‚Vier Seiten einer Nachricht‘ betrachtet wurde. Mir fällt der Titel gerade nicht ein, aber ich liefere ihn nach und stelle ihn dann an das Ende dieses Posts. Als ich neulich so über ein paar Tweets in der jüngeren Vergangenheit nach dachte fiel mir dieses Modell wieder ein und ich betrachtete diese Tweets mit ganz anderen (geschärften) Augen.

Gerade die 140-Zeichen-Begrenzung bei Twitter macht diese Betrachtung so interessant, da trotz der Kürze eines Tweets  immer alle 4 Seiten übertragen werden- gerade aufgrund der Kürze oft umso ausgeprägter! Und da meines Erachtens oft nur eine dieser Seiten (die Sachebene) bewusst bestückt werden finde ich es umso interessanter, was auf den anderen drei Ebenen passiert.

Was sind diese vier Seiten/Ebenen einer Nachricht in unserem Fall des Tweets?

  1. Sachebene
    Hiermit ist der wörtliche Inhalt der Nachricht gemeint. Diese Ebene ist das Offensichtliche und zu vernachlässigen.
  2. Selbstoffenbarung
    Was sagt der Tweet über den Absender aus? Welche Eigenschaft, welche Einstellung erzählt er über den Absender? Sind es sehr persönliche Inhalte?
  3. Beziehungsebene
    In welchem Ton ist der Tweet geschrieben? Ist er formell und höflich? Ist er derb und mit Vorkabular gespickt, das man in einem geschäftlichen Termin nicht gerade verwenden würde? Welches (gewünschte) Verhältnis zu seinen Followern drückt er aus?
  4. Appell
    Was will der Absender des Tweets mit seiner Äußerung erreichen, dann er WILL etwas erreichen, sonst würde er sich nicht die Mühe machen, sich ihn auszudenken, ihn zu formulieren, ihn in das kleine Eingabefeld zu tippen und letztlich auf den Absende-Button klicken?

Ich habe bewusst darauf verzichtet, konkrete Tweets als Beispiele zu nennen, denn da muss sich jeder selbst einen Reim darauf machen. Viel Spaß dabei!

Update:
Der Link zum Buch bei Amazon. Selbstverständlich diesmal über unser Affiliate, ja. Das Werk wurde im Übrigen der ganzen Mannschaft geschenkt, nicht mir speziell!

Viel besser auf den Punkt bringt es allerdings der Wikipedia-Artikel.

Dank an Stefan Hagen für die Links. Ich habe den Blogpost gestern im Zug offline zwischen Meckenbeuren und Ulm geschrieben und dort dann online gestellt, bevor ich mein Ziel Frankfurt erreichte hat Stefan bereits die Links beigesteuert. So muss das laufen! #yeah

  4 comments for “Die vier Seiten eines Tweets

  1. 14. Februar 2010 at 21:14

    Das Buch:
    Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. http://bit.ly/aBsDf8
    (4-Seiten-Modell: http://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell)

  2. Brigitte
    14. Februar 2010 at 21:23

    Mein lieber @sauerstoff, du bleibst mein Prinz des www. Wer sonst hätte es so auf den Punkt bringen könnnen?!

    Auch ich versuche herauszufinden, wer da schreibt, was gemeint ist, auf welche Nebenkriegsschauplätze die Twitteria gelenkt werden soll.
    Heute habe ich geschrieben, dass Twitter ein Jahrmarkt der Eitelkeiten ist.
    Ich muss das etwas revidieren. Heute habe ich wieder einmal erfahren, dass manche Menschen bei Twitter wirklich Halt und Hilfe suchen. Und das ist gut,“ denn oft kann ihnen dieses Medium, und dessen Nutzer, eine Hilfe sein.

    Ich für mich werde weiterhin versuchen aufmerksam zu lesen und den „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ genauestens im Auge zu behalten!

    Eine Bitte hätte ich dann doch noch. Bitte keine Analyse meiner Twitteria ;)

  3. ichhebgleichab
    15. Februar 2010 at 01:56

    Da fehlt eindeutig ein Beispiel:
    „Die Followergeschichte 19 hat sogar einen aktuellen Bezug zum finanzpolitischen Geschehen“
    1. (Sachebene) Jetzt muß man allerdings erst meinen Blog suchen, die Geschichte lesen und den Bezug rausfiltern.
    2. (Selbstoffenbarung) Ich bin stolz, daß ich das mit dem aktuellen Bezug hinbekommen habe, das soll aber nicht so auffallen.
    3. (Beziehungsebene) Der Tonfall ist fast geschäftsmäßig, ich will mich nicht anbiedern und alle gleichermaßen ansprechen. Meine Timeline ist mein Publikum.
    4. (Appell) Ich will erreichen, daß mein Blogpost gelesen wird und natürlich das anschließende Lob hören
.
    5. Den Tweet gab es nicht – was sagt jetzt dieser Kommentar aus? ;)
    6. Falls Du die Geschichte gelesen hast, kannst Du noch etwas mehr rauslesen, als die meisten anderen. Unter welchen Punkt fällt das? Metabotschaft durch Informationsvorsprung. Wahrscheinlich Punkt 2
, oder?

  4. 17. Juli 2010 at 11:07

    Unglaublich, das Buch hab ich auch :D

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