Fünf Wahrheiten zum Thema Privacy

Facebook, immer wieder Facebook. An dieser Plattform entbrennt derzeit gefühlt jede Diskussion um das scheinbar neu entdeckte Thema Privatsphäre oder auf Neusprech: Privacy. Und darüber, was die ganzen Plattformen nicht alles für den Schutz unserer Privatsphäre tun sollen.

So, Kinners, nun bitte mal Schluss mit der künstlichen Aufregung und Hysterie. Die Verantwortung liegt nämlich erst mal bei euch und eurem Verständnis dieser Netzwerke.  Macht euch einfach mal folgende fünf Wahrheiten klar, dann seht ihr die ganze Social Media Landschaft vielleicht nicht entspannter, aber dafür etwas realistischer:

  1. Garbage-in Garbage-out: Bekannt werden kann nur was ihr oder jemand anderes veröffentlicht. Denkt vor dem Posten darüber nach.
  2. Kein IT-System ist 100% sicher. Es kann jederzeit Lecks geben. In jedem System. Es
    sind Menschen am Werk!
  3. Plattformbertreiber müssen Geld verdienen und brauchen bzw. nutzen dafür eure Daten – was mit eurem Bedürfnis nach Privatsphäre konkuriert.
  4. Öffentlichkeit ist genau ein ‚Copy&Paste‘ durch einen anderen User weit
    entfernt.
  5. Und was andere über Dich von sich aus veröffentlichen kannst Du
    überhaupt nicht steuern.

Lebt damit oder beschränkt euch auf das Allernotwendigste bzw. konsumiert nur noch! Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

(Bild: Kasaa)

  11 comments for “Fünf Wahrheiten zum Thema Privacy

  1. 18. Mai 2010 at 21:50

    Sehe ich genauso. Es gibt Daten, die haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen, z.B. Finanzdaten, Informationen über Krankheiten, etc. Der Kram auf Facebook ist belanglos – zumindest sollte er das sein, sonst hat er da nichts zu suchen.

  2. 19. Mai 2010 at 09:14

    richtig so, lieber sauerstoff! besonders punkt 3 muss einem klar sein. und vier. und … die anderen drei auch %)
    das ist doch nur, weil die politiker erkannt haben dass alte leute mit kugelschreibern – zu denen sie auch gehören – ihr grösstes wählerpotential sind.

  3. 19. Mai 2010 at 11:22

    Karsten, was Du sagst ist logisch, und leider nicht jedem klar. Aber!

    Ein Dienst (wie z.B. Facebook) definiert den Rahmen in dem ich mich bewege durch seine Features etc.
    Bei Facebook fing das als ein „privates“ Netzwerk an, in dem ich mich im Rahmen der von Dir genannten Punkte z.B. meinen Freunden mitgeteilt habe. Dann hat Facebook dieses Netzwerk immer weiter aufgeweicht und plötzlich wurde mein Signal nicht nur an Freunde gesendet, sondern auch an Werbepartner etc. Das heißt, Facebook hat den Rahmen in dem ich mich zu bewegen glaubte permanent geändert und obendrein die Einstellungen um diesen Rahmen zu kontrollieren so clever versteckt und verkompliziert, daß dem normalen User eine Kontrolle schlicht unmöglich scheint.

    Und das ist meiner Meinung nach das eigentliche Thema um das sich die aktuelle Facebook-Diskussion dreht.
    Es geht in das Vertrauen in die Dienste, denen wir unsere Signale anvertrauen. Facebook hat jegliches Vertrauen verspielt. Klar, mit etwas gesundem Menschenverstand hätte jedem klar sein können, in wie weit man einem Jüngelchen wie Zuckerberg vertrauen kann oder auch nicht.

    • Karsten Sauer
      19. Mai 2010 at 19:00

      @stefan Meine Wahrnehmung ist, dass sich die Diskussion letztlich an Facebook entzündet, aber die Leute einfach falsche, unrealistische Vorstellungen dazu haben, wie sicher und geschützt ihre Daten im Internet und insbesondere in sozialen Netzwerken sind.

  4. Mario
    19. Mai 2010 at 16:30

    6. Die Büchse der Pandora: Was drin ist ist drin. Streut man es in eigenen System (Selbstgehosteter Blog, o.ä.) hat man noch geringe Möglichkeiten es zu löschen und mit etwas Wissen auch anderweitig löschen zu lassen (Aus dem Google-Cache z.B. mit Googles Webmaster-Tools). Auf Twitter, in Newsgroups und Foren dagegen werden die Inhalte zum Teil so oft von Drittanbieter kopiert, da hat man letztlich keine ernsthafte Chance!

    Achja: I can tell!

  5. 26. Mai 2010 at 07:47

    Wahr, sehr wahr.
    „There’s no such thing as a free lunch“ gilt einfach überall. Ich finde es manchmal schon erstaunlich naiv, dass viele sehr kluge Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten das Geld verdienen muss um sich deren Arbeit leisten zu können, glauben, die Anbieter von Social Media Diensten könnten vorn Luft, Liebe und Web 2.0 leben. Alles soll bitte jederzeit frei verfügbar sein, den neuesten Stand der Technik widerspiegeln und natürlich vollkommen ohne Werbung auskommen. Gebühren vom User? Absolut undenkbar.
    Finde auch lustig, dass sich jetzt alles über Facebook aufregt, aber von Google spricht (fast) kein Mensch.

    Schon immer galt die Regel mit gesprochener Sprache, und mit dem was man vor allem in schriftlicher Form mitteilt, vorsichtig umzugehen. Briefe wurden entwendet, Mails weitergeleitet oder falsch adressiert und jetzt sind Statusmeldungen eben von nun an bis in Ewigkeiten auffindbar.

    Und kein Mensch zwingt uns, Teil dieses/eines virtuellen Netzwerks zu sein. Der Ausschaltknopf ist immer nur einen Mausclick entfernt.

  6. 1. Juni 2010 at 09:31

    Ich sag dazu nur das hier: http://twitter.com/zauberfrau/status/14694444014 . Ja, das ist wirklich passiert. Ich bekomme das jeden Tag bei der Arbeit mit. Auch schön sind die Menschen, die ihre ganze Privatsphäre im Zug, Bus oder auf der Straße penetrant auf die Nase binden. ;) Man hat das Gefühl, sie seien völlig desensibilisiert, was Privatsphäre und den Umgang und Respekt mit anderen, fremden Menschen angeht.

  7. 1. Juni 2010 at 09:38

    Es sollte natürlich: Auch schön sind die Menschen, die ihre ganze Privatsphäre im Zug, im Bus oder auf der Straße penetrant anderen auf die Nase binden. ;)

  8. 11. Juni 2010 at 14:06

    „Die Verantwortung liegt nämlich erst mal bei euch und eurem Verständnis dieser Netzwerke.“

    Danke für das Wasser auf meine Mühlen :-)

  9. 27. Juli 2010 at 23:44

    Tja, da kann ich mich Dir und meinen Vor-Kommentatoren nur anschließen. Im übrigen glaube ich, dass dieser ganze Kontrollverlust-Wahn vor allem in diesem unserem Land ganz dolle ausgeprägt ist. Weswegen sich vermutlich auch auf diese Diskussion so viele Leute stürzen. Dazu kommt noch eine – ebenfalls national – bedingte Neigung zur Apokalypsen-Hysterie (siehe Wirtschaftskrise, Schweinegrippe, Eurokrise) und … schwupps… Schon haben wir wieder einen BigBrother, der uns „watcht“… ;0)

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