FRA-MUC-FRA. Die Entstehungsgeschichte.

Ende 2001 habe ich zusammen mit Michael Sahnau ein Buch veröffentlicht: FRA-MUC-FRA. Einmal Beratung und zurück. Und nachdem es senkrecht gestartet ist hat es sich erstaunlicherweise über die Jahre sehr gut in den Verkaufslisten gehalten. Noch nach Jahren hatten wir stetige Verkaufszahlen, die mitunter unerklärliche Peaks erlebten.

Einmal haben wir mitbekommen, warum wir kurzzeitig bei Amazon unter den ersten 10 in der Verkaufsrangliste waren: Ein Manager bei einer Beratung (der Red. bekannt) hat in seiner Abschiedsmail unser Werk in höchsten Tönen gelobt und das mit-ten in unsere Zielgruppe hinein! Ansonsten ist es wohl ein Paradebeispiel für lange Tails. Uns wurde zugetragen, dass es in einigen Unternehmen, den Frischlingen mit dem Willkommenspaket an die Hand gegeben wird oder gern von den Seniors an die Frischlinge geschenkt wird. Bis heute werden wir immer wieder gefragt, wie das Buch denn nun entstanden ist, wie autobiografisch es ist.

Aber moment: Ist das hier Werbung? Selbstverständlich NICHT. Hallo? Das Buch ist so alt, dass wir darin z. B. noch von TAE-Dosen erzählen, um die man sich beinahe schlug, um seine Mails abholen zu können. Von UMTS war da nicht mal zu träumen! Aber am Rest hat sich eigentlich nicht viel geändert. Also doch ein bisschen Werbung? Nääh. Außerdem kommt eh bald das eBook raus, dann werben wir erst wieder. Tote Bäume wollt ihr doch nicht. Also lasst die Finger vom Bestellen-Button! Ist eh keiner in der Nähe.

Aber zurück zur Frage, die ich beantworten wollte: Wie ist FRA-MUC-FRA entstanden?

Sahnau und ich hatten damals zeitgleich die Ausbildung abgeschlossen und sind dann beide in unterschiedlichen Unternehmen in die Unternehmensberatung eingestiegen. Das war die goldene Zeit der SAP-Berater und da wir beide SAP buchstabieren konnten und zudem über eine großartige Ausbildung verfügten, haben wir beide unseren Weg gemacht. Unsere Wege könnt ihr bei XING nachschlagen: SahnauSauer.

Hierbei haben sich beide natürlich in den klassischen Situationen wiedergefunden: Kickoff, Einstieg laufendes Projekt, Office-Freitage, Hotelaufenthalte (insb. das Hotelfrühstück), Flughafenlounge, Autobahn, Raststätten, etc.

Bei den regelmäßigen Gelegenheiten bei denen wir uns getroffen haben, haben wir festgestellt, dass uns die gleichen Situationen gleichermaßen erstaunen, wundern, ärgern, freuen! Hierfür haben wir Kundentermine so koordiniert, dass wir immer wieder in den selben Städten unterwegs waren. So ging das fast fünf Jahre, in denen wir den typischen Reifeprozess eines Jungberaters durchlebten.

Das Leben danach

Als wir dann wieder zeitgleich die Branche verließen, um uns in der Linie zu behaupten (naja, bei mir waren es Schlangenlinien bei einem Startup und anschließend bei web.de) fiel uns nach einer Weile auf, dass wir beide mit den gleichen (Wiedereingliederungs-)Problemen zu kämpfen hatten. Offensichtlich hatte uns die Beratungszeit sehr geprägt und das auf sehr ähnliche Weise. Das äußerte sich in der Einstellung ‚Zielorientierung über Alles‘ und einer ausgeprägten Dienstleistungsmentalität gepaart mit einer gewissen Eskalationsfreude, wenn mal was hakte. Von der Beratung kannte man das ja nicht anders. Das passt natürlich nicht immer zu einem Job in der Linie. Das musste untersucht werden!

Gesagt, getan. Ein halbes Jahr im Voraus verabredeten wir uns auf einer Hütte im Harz und wollten dort beleuchten, was da so mit uns passiert ist. Im Vorfeld sammelten wir Themen, über die wir sprechen wollten und beschlossen früh, dass wir mit einem handfesten Ergebnis aus diesem Wochenende gehen wollten. Wir beschlossen unsere Erkenntnisse niederzuschreiben. Der uns innewohnende latente Größenwahn ließ uns damals eigens für das Ereignis die Website www.dasgipfeltreffen.de (Kein Link, die Seite ist längst offline) aufsetzen auf der wir neben Termin, Location, vorhaben, Countdown etc. auch veröffentlichten, was wir vorhatten.

Man geht es methodisch an

Natürlich kam es anders als geplant. Wir haben es uns einfach gut gehen lassen und beschlossen, dass wir die Weisheit der Massen zu unserem Werk bemühen wollen. Das Ergebnis war ein Fragebogen, den wir im Anschluss an einige Ex- und Berater verteilten und erstaunliches Feedback erhielten. Gute Teile davon sind 1:1 in unser Werk eingeflossen.

Na gut, eine Themensammlung mit Einzelerkenntnissen. Und nun? Wie beide lasen in der Zeit einige Werke von Benjamin v. Stuckrad-Barre und Christian Kracht. Und weil beide so beeindruckend locker im Ich-Erzähler-Stil großartige unterhaltsame Bücher geliefert haben kam die Idee: Lass uns ein Beratertagebuch machen! Lass uns die Themen in einen typischen Wochenablauf packen und veröffentlichen. Gesagt, wieder getan. Um die Themen gleichmäßig über die Woche verteilen haben wir – ganz die strukturierten Techniker – per Excel-Sheet die Struktur der Woche angelegt. Für jeden Tag der Woche wurde festgelegt

  • Wie erfolgt die Anreise?
  • Was passiert den Tag über?
  • Wo wird übernachtet?

Heraus kam eine proppenvolle Woche, bei der wir auch immer die Entwicklung vom staunenden, vom Hotelaufenthalt und Mietwagen gebauchpinselten Frischling zum Routinier von dessen Privatleben der Berateralltag bereits seinen Tribut gefordert, hat darstellen wollten. Eigentlich wollten wir das als kleine Flashbacks des Senior Consultants verpacken. Aber wie es so ist konnten wir uns nicht in allen Punkten einigen. Für den Freitagabend war ich der Meinung, dass der Berater freitags seinen Office-Tag hat an dem er Abrechnungen macht, sich weiterbildet und netzwerkt.  Sahnau war der Meinung, dass der Berater am Freitag seinen Flieger verpasst und sich dann in der Flughafen-Lounge die letzen Lichter ausschießt.

Im Nachhinein war das ein großer Glücksfall, denn weil wir uns nicht einigen konnten haben wir das Buch einfach konsequent zweigeteilt: Eine komplette Woche aus der Sicht des Frischlings, eine Woche aus der Sicht des Arrivierten. Und damit der Vergleich auch richtig deutlich wird haben wir die beiden fast die gleichen Situation durchleben lassen – nur eben aus z. T. völlig unterschiedlichen Sichtweisen.

Hm. Was werden wir sonst so gefragt? Wer denn z. B. welchen Teil des Buchs geschrieben hat. Gerne wurde dann gemutmaßt und mit erstaunlicher Treffsicherheit hat man exakt den Falschen von uns beiden verdächtigt! Erstaunlich. Der Grad des Autobiographischen? Hoch, sehr. Allerdings verraten wir nie wer von und die jeweilige Situation so beschrieben hat.

Verlag

Anfangs haben wir natürlich versucht, das Buch bei einem Verlag unterzubringen. Den Geeignetsten haben wir Anfänger leider nicht gefragt, aber nunja, man lernt. Darum haben wir das FRA-MUC-FRA selbst bei Books on Demand (BoD) verlegt. Verlegt heißt in diesem Fall, dass wir einen Rahmenvertrag mit Bod geschlossen haben und einen Objektvertrag für das eigentliche Buch. Den Ritterschlag, von einem Verlag betreut und begleitet zu werden gab es dadurch nicht, jedoch hatten wir dadurch Gestaltungsfreiheiten, die uns ein Verlag vermutlich nie zugestanden hätte – allein der Titel!

Der Ablauf war dann recht simpel: Buchblock (das zwischen dem Cover) nach Designvorgaben als PDF-Datei abliefern und das Cover ebenso als TIF hinterher. Nach ein paar Tagen bekamen wir zwei Referenzexemplare, von denen eines unterschrieben als Freigabedokument zurück zu schicken war. Wir haben es natürlich vorab gefaxt, damit wir vielleicht noch einen Tag schneller am Markt waren. BoD hat dann zum einen sicher gestellt, dass wir gelistet sind wo es nötig ist, dass wir eine ISBN zugeteilt bekommen und für uns das Wichtigste: Dass das Buch bei Amazon.de bestellbar wurde! Yeah, war DAS ein Moment! Ohne hier Schleichwerbung zu machen kann ich hier ganz deutlich sagen: Wenn es kein Verlag werden sollte, dann ist die Zusammenarbeit mit BoD erste Wahl. Dort wurde immer schnell und flexibel reagiert, wenn mal was nicht klappte. Dieses Jahr bringen wir FRA-MUC-FRA übrigens wohl noch als eBook raus.

Vermarktung

Natürlich mussten wir uns bei deser Vorgehenweise auch selbst um die Vermarktung kümmern. Die ging an mehreren Fronten vonstatten: Ganz oldschool haben wir beide auch direkt Bucher unters Volk gebracht, da jeder von uns eine 50er-Serie bestellt hat. In meinem Fall hieß das, dass ich mit dem Karton unterm Arm durch die heiligen Hallen von WEB.DE gegangen bin und allen Leuten mein/unser Buch aufgeschwätzt habe. Selbst der Sales-Vorstand hatte eines genommen. Leider recht spät sind wir an die Zeitschriften gegangen und haben dabei stets ganz oben angefangen: Das Manager Magazin reagierte gar nicht, das Handelsblatt Junge Karriere allerdings hat uns sofort mit einem Drittelseiteninterview ins Heft genommen. F. A. Z. Hochschulanzeiger und Computerwoche Young Professional und ein paar andere folgten bald. Mails wurden schon vor der Veröffentlichung konsquent von der Mailadresse ksauer@fra-muc-fra.de geschrieben, was viele dadurch schon auf den Titel gebracht hat, weil Leute die Domain aufgerufen haben.

Da wir ja einige Leute in die Entstehung eingebunden hatten haben und diese zumeist in Unternehmensberatungen unterwegs waren haben die das Werk dort bekannt gemacht. Die Website zum Buch stand natürlich schon Wochen vor der Veröffentlichung. Online-Kooperationen gab es natürlich auch einige. Wir haben kommentierte Kapitelauszüge auf Consulting-Insider und auf ein paar anderen Seiten veröffentlicht, die es z. T. gar nicht mehr gibt. Dass die FTD uns zu den Urhebern von SABVA erklärte hat uns natürlich auch nicht wirklich gestört. Wir haben den Spruch allerdings damals auch nur aufgepickt und wiedergegeben. Als Einleitung für Werner Rügemers Buch ‚Die Berater: Ihr Wirken in Staat und Gesellschaft‚ hat ein Kapitel von FRA-MUC-FRA hergehalten.

Aber am meisten hat uns der offentlichtlich für Berufseinsteiger relevante Inhalt geholfen. Uns wurde zugetragen, dass in ein paar Beratungshäusern das Buch mittlerweile standardmäßig den Frischlingen geschenkt wird. Ich weiß auch bei welchem, aber ich traue mich nicht, das zu glauben. Aber der stetige Erfolg gibt uns recht. Ein Hammererlebnis war natürlich des Autoren Traum: Einmal jemand wildfremden mit dem eigenen Werk in der Hand anzutreffen. In meinem Fall war es ein McKinsey-Berater im Zug, der seine Nase tief in unser Werk steckt.

Wie kamt ihr auf das seltsame Cover?

Zu der Zeit kursierte die schöne Mail „Du bist entweder Prostituierte oder Berater wenn..„. Darauf folgten zehn Kriterien, die tatsächlich auf beide Berufsstände zutreffen. Und so war die Idee des Straßenstrichs geboren, auf dem Sahnau und ich uns inmitten anderer Dienstleisterinnen unseren Kunden anbieten. Statt der Sicht an der Menschenaufreihung ist die Poser-Pose vor dem BMW geworden, die einfach noch besser den leichten Größenwahn des Beraters illustrierte.  Bilder vom extrem unterhaltsamen Foto-Shooting gibt es hier.

Hätte ich ja fast vergessen: Eine einzige Lesung von FRA-MUC-FRA gab es auch. Ein Video davon existiert auch noch irgendwo, aber das habe ich nicht zur Hand. Noch Fragen? Fragen! Ach so: Ich habe neulich die ersten ca. 60% vom Buch als PDF hochgeladen. Das ganze Buch darf ich nicht digital verschenken. Aber das eBook kommt ja bald.

  2 comments for “FRA-MUC-FRA. Die Entstehungsgeschichte.

  1. Christian
    7. August 2010 at 09:51

    Da ich zur gleichen Zeit ebenfalls als Berater (direkt bei den drei Buchstaben) unterwegs war, hat mir das Buch aus der Seele gesprochen. Ich frage mich gerade bei welchem Junior-Kollegen mein Exemplar noch rumliegt?

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