Thomas Renger

Wer bist Du? Was tust Du?
Ich bin Thomas Renger, im Netz vielfach unter Dentaku vertreten. Ich bin 37 Jahre alt und arbeite als Softwareentwickler (hauptsächlich Java) in einem Systemhaus in der Nähe von Stuttgart. Ich wohne mitten in Stuttgart ganz spießig in einer Eigentumswohnung, und das obwohl ich gar kein Schwabe bin sondern erst vor ein paar Jahren aus beruflichen Gründen hier hergezogen. Ich bin verheiratet, und wir haben zwei Kinder.

Wie sieht Dein Social Setup aus?
Da ich „Social Media“ fast ausschließlich privat und zu meinem Spaß nutze brauche ich auch keine (langfristig angelegte) Strategie. Ich bin bei einer unübersichtlichen Zahl von Social Web Plattformen angemeldet, benutze aber nur wenige davon aktiv. Ich springe immer gern sofort auf neue Plattformen und sehe mich kurz um. Meistens sind die „üblichen Verdächtigen“ (also kosmar, oliverg, sauerstoff,…) auch schon da, und mit denen kann man die Möglichkeiten etwas austesten. Nach der Metaphase (also wo man im neuen Medium eigentlich nur über das Medium redet) finden sich dann in der Regel dieselben Leute wie Überall ein. Wenn ein Dienst besser als alles andere ist beziehungsweise vielen Leuten Mehrwert bietet, dann wird er sich auch heute noch gegen die aktuellen Platzhirschen durchsetzen (bei Google+  warte ich darauf z.B. im Moment noch, deshalb bin ich zwar angemeldet aber nicht besonders aktiv).

Teilen wir mal nach Kategorien auf:
Meine alltägliche Nutzung bei der „textbasierten Kommunikation“ hängt von den Leuten ab, die man auf der Plattform treffen kann.

Ständig in Betrieb ist eigentlich nur twitter, denn dort sind die lustigsten und ergiebigsten Gespräche und die irrsten Meme und die weisesten Aphorismen. Das bis vor kurzem einzigartige asymmetrische Followerkonzept lässt mich an Gesprächen auch dann teilnehmen, wenn mich nicht alle Beteiligten schon vorher kennen. Neuerdings kann facebook das in ähnlicher Form auch (und Google+ sowieso), aber so einfach und logisch (kann man da „natürlich“ sagen?) wie bei twitter geht es einfach nirgends. Ich folge dabei den Leuten, die ich interessant finde. Wer mir dort folgt ist mir (von gelegentlichen Spamsäuberungsaktionen abgesehen) eigentlich egal. Die Benachrichtigungen dafür habe ich schon vor längerer Zeit abgestellt.

Auf facebook habe ich eigentlich nur Kontakt mit Leuten, die ich schon kenne (von denen habe ich lustigerweise so einige über twitter und Blogs kennengelernt, aber eben niemanden auf facebook). Dort entspinnen sich hin und wieder wunderbare Dialoge, aber ich selbst schreibe dort eigentlich nichts rein. All mein facebook-Inhalt stammt aus anderen Systemen und kommt direkt oder über RSS-Graffiti an meine Wand. Einer der Gründe dafür ist, dass Inhalte in facebook irgendwie so weggeschlossen sind, was mir gar nicht gefällt (dazu gleich noch mehr).

Bei der Veröffentlichung von Bildern sieht das etwas anders aus. Da ist das Kriterium nicht die Vernetzung sondern die Möglichkeit, seine Bilder von Unterwegs veröffentlichen zu können. Einige Zeit habe ich das mit twitpic gemacht, aber das hatte immer Probleme mit Umlauten. Deshalb bin ich, als dort das automatische Posten zu twitter eingeführt wurde, zurück zum eigentlich schon einmal ausgemusterten flickr gegangen. Der flickr-pro-Account ist aber vorletzte Woche abgelaufen, und ich weiß noch nicht, ob ich den wieder verlängere… denn relativ neu bei meinen Lieblingsdiensten ist Instagram. Kommentarlos Bilder austauschen zu können ist echt schön. Die Beschränkung auf das quadratische Format und dass die EXIF-Daten irgendwie verlorengehen stören aber manchmal.

Diese Business-Netzwerke wie XING und LinkedIn benutze ich nur als erweitertes Adressbuch. Ich weiß, dass die mehr können, aber da geht es mir oft zu verbissen zu. Videos mache ich nicht in nennenswertem Umfang, drum gibt es da nichts zu verteilen.

Ach und dann gibt es da noch die Stiefkinder, auf denen ich zwar ein paar Verbindungen habe, mit denen ich aber nicht so viel anzufangen weiß (z.B. Wer-kennt-wen) oder die hauptsächlich nerven (z.B. Stayfriends). Da weiß ich jeweils auch nicht so genau, warum ich da eigentlich angemeldet bin.

Eigentlich habe ich meine Daten aber gar nicht gern in alle Winde verstreut — jedenfalls nicht ausschließlich. Ich bin da eher paranoid und möchte mich auf keinen Fall auf irgendeine fremde Firma verlassen (damit bin ich übrigens nicht allein). Alle meine flickr- und Instagram-Fotos gibt es daher auch auf meinem eigenen Server, ebenso mein Getwitter und meine Delicious-Links. Deshalb betrachte ich mein Blog auch als Zentrale meiner Internetaktivität, denn es hat im Idealfall als einziger „Dienst“ Exklusivcontent ;-) . Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Vision für die nächste Frage wieder…

Mit der Privacy Policy bin ich relativ großzügig: mein Twitter-Stream ist öffentlich, das Blog sowieso, und die facebook-Statusdingse auch. Meinen Aufenthaltsort können auch viele Leute auf foursquare sehen. Ich versuche, diese Großzügigkeit so wenig wie möglich auf unbeteiligte auszuweiten; ich nenne zum Beispiel Personen, die selbst nicht in Social Media aktiv sind, insbesondere Kollegen und Familienmitglieder, auf twitter und facebook nicht beim vollen Namen. Wer aber in meinem Blog ein wenig hin und herblättert, der bekommt das auch so raus. Da ist aber mit Sicht auf zukünftige Entwicklungen (automatische Gesichtserkennung,…) auf Dauer sowieso nichts zu retten, und deshalb ist wahrscheinlich Datenfatalismus die gesündeste Haltung.

Wie wäre Dein Traum-Setup, wenn Du Dir eines backen könntest?
Wie oben schon angedeutet bin ich ein großer Freund der Zentralisierung aller Informationen eines Benutzers und der Dezentralisierung der Information insgesamt. Am liebsten wäre mir ein System, das sich jeder Benutzer — ähnlich wie ein Blog — selbst aufsetzen kann (oder eben gehostet wie ein Blog bei wordpress.com). Es bräuchte die Möglichkeit, andere Benutzer desselben Systems (damit ist nicht unbedingt eine bestimmte Software gemeint, ein gemeinsamer Protokollstack würde reichen) zu abonnieren — und zwar unbedingt über Servergrenzen hinweg, so dass man deren Inhalte auf seiner eigenen Seite sehen und kommentieren kann. Bei einer möglichen Oberflächengestaltung legt Google+ ja schon ein gutes Beispiel vor, mir wäre aber (im Unterschied zu dort!) wichtig, dass es zu jedem Element nur einen Kommentarthread geben dürfte. Damit ergäbe sich natürlich als Problem des dezentralen Kommentierens der Transport der Kommentare an alle anderen Abonnenten des kommentierten Elements, doch dafür existierten in der Vergangenheit durchaus schon einmal Lösungen; eine davon nannte sich Usenet und hatte mit NNTP sogar ein eigenes passendes Protokoll.

Auch in letzter Zeit gab es da schon einige Ansätze, die aber alle mehr oder weniger eingeschlafen zu sein scheinen: Noserub, das DiSo-Projekt, oder vor kurzem als Frage von Sascha Lobo (nicht verifizierbar gefunden aber in diesem Artikel, der in eine ähnliche Kerbe haut): „Wer baut ein WordPress-Plugin, das automatisch G+Beiträge samt Kommentaren in ein bestehendes WP-Blog einfliessen lässt?“. Letzteres ist wahrscheinlich der realistischste erste Ansatz: erst einmal dem Blog beibringen, all meine Aktivität mit ihren Kommentaren wenigstens in Kopie bei mir zu speichern…

Woher kennen wir beide uns eigentlich?
Das müsste eine Stuttgarter pl0gbar gewesen sein (und dann natürlich twitter und das Barcamp Stuttgart).

  2 comments for “Thomas Renger

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