Offenbashing – Der Frankfurter und Offenbach.

Bild 1334_2Ich bin Frankfurter – also gefühlt einer der wenigen, die tatsächlich in Frankfurt geboren (3. 2. 1972. Ich habe also bald Geburtstag!) und aufgewachsen ist. Ich bin hier zur Schule gegangen und mein Abitur gemacht.

Nach ein paar Schleifen durch die Republik arbeite ich nun wieder in Frankfurt und teile mein Büro mit einem … na? … Offenbacher. Warum ist das Bemerkenswert? Wir haben es oft von meinen Vorurteilen gegen Offenbach.

Ich bin Frankfurter und ich mag Offenbach nicht. So bin ich aufgewachsen. So habe ich es von Kind auf gelernt, so lernt es ein Frankfurter Kind eben. Offenbach ist für den Frankfurter: Pfui!

Das ist nichts, was man gezwungenermaßen von den Eltern eingetrichtert bekommen hat. Das ist etwas, was in Frankfurt in fast jeder Konversation mitschwingt, wenn die Sprache auf Offenbach kommt. Das Bild oben ist übrigens ganz weit weg von Offenbach entstanden, aber es schien mir irgendwie passend und ich poste so ungern ohne Bild. Na, wer weiß um die Umstände dieser Würfel?

Offenbach ist der schmutzige, kleine, dunkle und ein bisschen assiger Bruder von Frankfurt. So hat es sich bei mir festgesetzt. Nach Offenbach geht man nicht, wenn man es nicht muss. Einmal hatte ich dort etwas zu erledigen, und den Mann, den ich nach dem Weg fragte teilte mir nach dem Bekunden seiner Unwissenheit sofort mit, dass er Frankfurter sei und ja nur dort arbeite. Geholfen hat es mir in dem Moment nicht, aber wir haben uns im stillen Einverständnis zugenickt.

Ja, wir teilen eine Vorwahl, die 069. Das war es aber auch schon. Wann immer ich eine Rufnummer mit der verräterischen 8 (OFFENBACH!) sehe, denke ich ‚Ah, ja. Offenbach halt! Warum die wohl keine eigene Vorwahl haben?‘. Spätestens aber beim KFZ-Kennzeichen ist die Linie aber klar gezogen. Da ist dem Frankfurter ganz klar, um wen man im Straßenverkehr einen weiten Bogen machen sollte. Ei, weil die Offenbacher halt nicht Auto fahren können! So hat man es als Frankfurter gelernt. Und damit man es sich auch gut einprägen kann gibt es zahlreiche alternative Deutungen des Nummernschilds.  Angefangen vom ‚Ohne Führerschein‘ und der Aussage, nach 5 Jahren ohne Unfall kann man das ‚O‘ weg lassen geht das Spektrum bis zum OF =‘ Oh, Fuck.‘. Bis heute glaube ich tatsächlich wirklich, dass man um Fahrzeuge mit OF auf dem Schild einen Bogen machen sollte.

Als Frankfurter hatte man nie das Bedürfnis, sich Offenbach anzusehen. Was sollte man auch dort? Mein erster bewusster Besuch in Offenbach war mit ca. 15 Jahren. Wir waren auf einer Überraschungsparty für Bodo, den wir im Urlaub kennen gelernt haben. Und weil der Anlass ein so erfreulicher war haben wir uns in den dunkten Südosten gewagt. Mein Kumpel und ich fanden das furchtbar abenteuerlich, alles so neu und ungewohnt, obwohl so ganz in der Nähe. Unsere erste Reaktion beim Umsehen dort war: Oh, schau, man kann Frankfurt von hier aus sehen! Was wir wohl erwartet haben? Eine Armee von Bomberjacken-Trägern, die uns den Blick versperrt?

Betrachten wir Offenbach mal etwas nüchterner: Offenbach ist günstiger als Frankfurt – in allen Belangen. Und es gibt wirklich schöne Viertel – gerade kurz hinter der Stadtgrenze zu Frankfurt, dort wo die Straßenbahnlinie 16 endet. Früher dachten wir wahrscheinlich, dass wie bei Asterix damals dahinter die Welt endet. Offenbach hat auch ein nettes Mainufer, und selbst ein paar Hochhäuser hat es dort! Und – Trommelwirbel – ich muss gestehen(?): Ich habe sogar mal ein paar Monate in Offenbach gewohnt! Allerdings in Offenbach-Bieber.

Das ist genauer betrachtet ein Dorf bei Offenbach in das meine damalige Verehrte gezogen ist. Sie wusste es nicht besser, nein sie hatte damals nicht die Vorurteile, die ich in mir trug. Bieber ist traumhaft: Dörflich, ruhig und friedlich, naja, bis auf die beiden Male, die mir in der Zeit mein Auto aufgebrochen wurde. Direkt um die Ecke konnte man wunderbare Spaziergänge im Grünen machen. Auf dem Weg zum kleinen Supermarkt wurde man von Hühnern angegackert und von Kühen bemuht. Ein Traum. Aber in Offenbach.

Ausgerechnet in dieser kurzen Zeithabe ich mir  Auto gekauft – ausgerechnet ein 3er BMW. Und weil der Kauf in diese Zeit fiel musste ich das Fahrzeug in  Offenbach zulassen. OFFENBACHER KENNZEICHEN (s. o. ). Mein Eltern verboten mir in der Zeit, das Auto vor ihrer Tür zu parken und verwiesen mich an die Hauptstraße. Ob sie das ernst meinten? Weiß ich nicht. Ich habe nie gefragt. Als wir nach dieser Zeit nach Bad Vilbel (Kennzeichen ‚FB‘ zogen war ich am Tag nach dem Umzug auf jeden Fall gleich mal bei der Zulassungsstelle. Nun ja.

Fazit: Die Abneigung sitzt. Ich kann mir nicht vorstellen, je in Offenbach zu wohnen. Selbst wenn es günstiger wäre. Einfach, weil ein Frankfurter nicht nach Offenbach geht. Aber ich bin mir meiner falschen und kindischen Vorurteile bewusst und sage das auch dem neuen Kollegen, dem ich angeboten habe, ihn gern bei der Auswahl des richtigen Stadtteils zu beraten. Offenbach – das muss er selbst wissen…

  4 comments for “Offenbashing – Der Frankfurter und Offenbach.

  1. jke
    23. Januar 2013 at 21:48

    Diese Abneigung habe ich noch nie so richtig verstanden, als ich 1996 das erste Mal nach Frankfurt zog. Zumal Frankfurt auch eher dörflich bzw. als ein Zusammenschluss verschiedener Dörfer erscheint (i.e. Stadtteile, die auf -heim enden…). So Asidörfer, wo die Asipenner wohnen (hallo, Assi Toni!) gibt es aber überall. Hamburg hat ja auch so seine Vorörtchen. Ich würde aber für OF gerne mal DEN Grund lesen, wieso es seinerzeit zu dieser Abneigung kam und wieso die dann so populär wurde. Oder ist das auf den Fußball bezogen? Gibt es eine historische Erklärung dafür? Oder ist das – wie bei uns – einfach nur so, weil wir es so gelernt haben?

    Allerdings: wir wohnen derzeit im Riederwald (Stadtteil), und nachdem ich immer wieder Bornheimer treffe, die nicht mal den Riederwald topographisch zuordnen können, oder aber nur den FSV damit assoziieren, wundert mich in FFM nicht mehr so viel.

    Was das Autofahren betrifft: vollste Zustimmung. Bisher mehr Asis mit OF-Kennzeichen als mit F-Kennzeichen erlebt.

  2. 24. Januar 2013 at 10:52

    Ich bin in Offenbach aufgewachsen, in die Grundschule gegangen, habe hier Abitur gemacht und meine Ausbildung angefangen. Assi-Toni habe ich regelmäßig im Schwimmbad auf der Rosenhöhe gesehen. Ich bin nie verprügelt worden, habe im Leonard-Eißner-Park mein Abi besoffen und meinen Führerschein in hier um die Ecke gemacht. Ich gehe Samstags auf den Wochenmarkt, schaue mir die Skyline von der Dachterasse aus an. Ich haben einen Coworking Space in Offenbach eröffnet, ging studieren in Wiesbaden, fahren zu Kunden nach Frankfurt. Ich bin RheinMainer wir ihr.

  3. Daniel
    24. Januar 2013 at 17:04

    @Jke, aus Wilipedia: Rivalität zwischen Offenbach und Frankfurt

    Wie zwischen vielen benachbarten Städten besteht von jeher auch zwischen Frankfurt und Offenbach am Main eine gutnachbarliche Rivalität, die ihren Ausdruck u. a. in zahlreichen Witzen über die Bewohner der jeweils anderen Stadt findet. Am Offenbacher Stadthof/Ecke Frankfurter Straße ist eine Episode dieser Rivalität in einer Skulpturengruppe aus Bronze manifestiert: „Krieh die Kränk, Offebach! Die Staa binne se an, die Hunde lasse se laafe!“ Hintergrund ist der Ausruf eines Frankfurter Kaufmanns, der im 19. Jahrhundert Offenbach im Winter besuchte und von freilaufenden Hunden angegriffen wurde. Der Stein, nach dem er sich bückte, um die Hunde abzuwehren, war jedoch am Boden festgefroren. Der Kaufmann war natürlich bedient und wünschte Offenbach die Krankheit an den Hals.

    Die Rivalität beider Städte ist historisch verankert. Bereits seit dem Mittelalter bestanden Territorialkonflikte zwischen der Reichsstadt Frankfurt und ihren Nachbarstaaten. Im Dreißigjährigen Krieg nahm der schwedische König Gustav Adolf Quartier im Isenburger Schloss in Offenbach. Von dort aus forderte er die Ergebung Frankfurts. Nach der Reformation lagen das lutherische Frankfurt und das reformierte Offenbach in konfessionellen Streitigkeiten. Seit dem 18. Jahrhundert förderten die Grafen von Isenburg zudem die Ansiedlung von Manufakturen, die im bürgerlichen Frankfurt nicht erwünscht waren. Auch im 19. Jahrhundert sah sich Frankfurt als reine Handelsstadt, was weiterhin zur industriellen Verlagerung nach Offenbach führte. Erst nach der Annexion durch Preußen zog auch Frankfurt mit der Industrialisierung nach und überflügelte bald seinen Rivalen. Im 20. Jahrhundert wuchs Frankfurt vor allem durch Eingemeindungen preußischer Vororte in Richtung Norden und Westen, während Offenbach keine Ausdehnungsmöglichkeiten hatte. Bis 1945 bildete die Grenze zwischen beiden Nachbarstädten immer zugleich auch eine Landesgrenze.

    Eine langjährige sportliche Rivalität pflegen die beiden Fußballvereine Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt sowie ihre jeweiligen Anhänger. Im Laufe der Jahre standen sich beide Mannschaften häufig in einem sogenannten Derby gegenüber, besonders häufig in den fünfziger Jahren (z. B. im Finale um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1959), im DFB-Pokal (zuletzt 2009) und in der Fußball-Bundesliga bis zum Abstieg der Kickers 1984.

  4. 1. Februar 2013 at 19:12

    Für ich alten Düsseldorfer ist eine solche Diskussion leidlich unverständlich. Wir nehmen Frankfurt und Offenbach halt als Süddeutschland war. Bier brauen kann man da nicht und allein der unverständliche Dialekt würde eine Umsiedlung ausschließen – es sei denn, es wäre die Alternative zur Zwangsumsiedlung nach Köln.

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