Mimikresonanz. Mimik – waaas?

Vor einer Weile bin ich – sehr unüblich für mich – viel mit dem Auto gefahren und habe dabei viel Zeit für Podcasts gehabt. Die kann ich nur im Auto hören, weil ich da mit meinen Händen sowieso nichts anderes als Auto fahren kann. Wenn ich Zug fahren kann ich das nicht. Da lese oder schreibe ich lieber.

Grundsätzlich bin  ich schon immer an Psychologie interessiert – wahrscheinlich, weil ich so viel seltsames menschliches Verhalten erlebt habe und weiterhin erlebe.

Aus diesem Grund habe ich den Podcast von Matthias Niggehoff ausgewählt. Wichtig war mir aber auch, dass er wissenschaftlich fundierte Inhalte vermittelt und keine Meinungen oder Humbug.

Seine Ch/Sch-Schwäche, die mich auch mal bei 160km/h hat die Augen rollen lassen, nehme ich da in Kauf, der Inhalt ist es einfach wert. Außerdem gehört das wohl zum Kölner Dialekt.

In einer Podcast-Folge sprach er von Mikroexpressionen und was sie verraten. Dabei wies er auf seine Seminarreihe hin, in der man das Thema vermittelt bekommt. Gehört, gebucht.

Manipulation?

Das Erkennen von Manipulationsversuchen fällt nach dem Seminar deutlich leichter, aktives Manipulieren wird hingegen nicht im Seminar gelehrt. Damit würde ich mich auch nicht wohlfühlen. Solche Techniken sind wahrscheinlich den Seminaren über Verkaufstraining vorbehalten.

O.k., Mimikresonanz – Worum geht es da? Kennt ihr Lie to me? Na, dann kennt ihr das Thema ja schon. Ich bin gerade mitten in der ersten Staffel und bin begeistert! Wichtig: Nur die erste Staffel, denn die ist wissenschaftlich fundiert. Danach wird es, hm, wohl, hm, verwaschener.

Warum fand ich das Thema so interessant? Ich bin scheinbar für meine Umwelt ein offenes Buch – umgekehrt bekomme ich aber nicht mit, wenn ich über den Tisch gezogen werde. Ich glaube wohl zu sehr ans Gute im Menschen. So oft wurden mir Zusagen im Berufsleben und privat gemacht, die danach nicht eingehalten wurden. Das möchte ich ändern, Einwände früher erkennen und adressieren können.

Was ist Mimikresonanz? Was sind Mikroexpressionen?

Das sind spontane körperliche Reaktionen auf Gefühle, die nicht kontrollierbar sind. Sie finden im Gesicht innerhalb von 40 bis 500ms statt. Sie treten auf, wenn man etwas sieht, hört, tut oder einfach nur erzählt. Also setzt man manchmal den Anlass auch selbst. Bei einer längeren Dauer des Ausdrucks spricht man von Makroexpressionen oder subtilen Gefühlsäußerungen.

Was ganz wichtig ist, denn das deuten viele in das Thema hinein: Man kann trotzdem KEINE GEDANKEN lesen – das ist Quatsch. Was man kann ist: Bewegungen zu sehen und einer Emotion zuordnen. WARUM sie da ist, kann man NICHT sehen! Wie denn auch auch? Etwa durch die Zuckung eines Muskels?

Sehr aussagekräftig ist auch die umgekehrte Betrachtung: Die Abwesenheit von Mikroexpressionen, wenn sie der Situation entsprechend eigentlich da sein müssten! Echte Trauer ohne heraufgezogene Braueninnenseiten? Geht net – außer z. B. mit Botox

Das Ganze hat nichts mit Esoterik zu tun. Die Mimik ist das wissenschaftlich am besten untersuchte Gebiet der Körpersprache. Die kleinen lustigen Kürzel im ‚Lie to me‘-Vorspann sind übrigens die Kodierungen nach FACS.

Zur Methodik

Es werden alle möglichen Reaktionen auf 7 Basisemotionen aggregiert und die Anzeichen für diese erlernt. Mikroexpressionen können in Vollausprägung, aber auch in Teilausprägungen auftreten, d. h. sie zeigen sich z. B. nur am Mund, die Augenregion bleibt dabei unbewegt.

Ein Beispiel: Angst zeigt sich sich nicht nur, wenn die Augenbrauen zusammengehen und die Stirn zusammengezogen wird (ein Dreieck entsteht) und dabei die Mundwinkel nach außen/unten zusammengezogen werden, sondern auch allein dadurch, dass die Mundwinkel auseinander bzw. herunter gehen.

So beobachtet bei der Dame, die neulich die Bäckerei betrat und mich mit Hund sah – also den Hund zuerst erblickte – und dann die Mundwinkel herunter zog: Angst (Und sei es nur Unbehagen).

Das Seminar

Zu Beginn wird den Teilnehmern erst mal klar gemacht: Du wirst quasi eine neue Fremdsprache lernen, die Du nicht mehr (gänzlich) verlernen kannst. Du kannst manche Dinge nicht mehr NICHT sehen. Zu dem Zeitpunkt kann dann jeder noch den Raum verlassen – macht aber keiner.

Das Seminar umfasst theoretische Grundlagen, praktische Übungen, viele Videoanalysen (Total spannend! Frame für Frame werden Situationen auseinander genommen. Merkel, Lanz, Fußballtrainer – keiner ist sicher vor einer Analyse. DHDL ist wohl eine dankbare Quelle, aber auch jede politische Talkshow, insbesondere ‚Hart aber fair‘.) Jeder bekommt während des Seminars auch einen Schminkspiegel in die Hand gedrückt, um am eigenen Leib beobachten zu können.

Anfangs gewöhnungsbedürftiger, aber absolut produktiver Nebeneffekt: Matthias sieht natürlich Einwandssignale bei den Teilnehmern im Seminar und greift diese sofort auf, also spricht denjenigen direkt an und hakt nach. Da die Mikroexpression entsteht, bevor der eigentliche Gedanke geformt wird, realisiert man als angesprochener manchmal erst dann, was einen eigentlich gerade bewegt.

Ist das erst mal in der Gruppe akzeptiert, ist das eine witzige Nebenübung und bringt das Seminar echt voran! Manchmal ist man aber auch nur wegen eines Gedankens an etwas völlig anderes ‚bewegt‘ und reagiert darauf. Sind ja alle mal mit den Gedanken woanders.

Manchmal erwischt man sich allerdings auch selber, wie man mikro-reagiert und das kann schon bissl – öhm, interessant sein.

Alltag

Also ich gehe jetzt nicht durchs Leben und suche aktiv nach Signalen in Gesichtern. Ich sehe da eh nicht besonders gut – nur wenn es überdeutlich ist. Mir fällt reden und gleichzeitig schauen sehr schwer. Wenn es aber mal heiß her geht bin ich wachsam und achte ein bisschen mehr auf Signale.

Manche Signale sind halt auch häufiger als andere. Dein Gegenüber hebt einseitig die Schulter während einer Behauptung: Beware – der glaubt selbst nicht, was er sagt! Mundwinkel zucken nach unten: Hmm, Angst (siehe Bild)? Mundwinkel wird einseitig nach innen gedrückt – Mannomann. Oberlippe hebt sich – Oooha!

Fazit

Nach so vielen Begegnungen, Meetings oder Unterhaltungen hat ich ein komisches Gefühl. Das Gesagte passte irgendwie nicht zu dem, was der Körper, das Gesicht des Gegenübers sagten. Und allzu oft hat sich das Bauchgefühl als berechtigter Verdacht herausgestellt. Und ich fragte mich: Hätte ich das nicht ahnen müssen? Jetzt habe ich die Antwort: Hätte ich.

Drum bin froh, dass ich diese Weiterbildung gemacht habe. Matthias ist ein super Trainer und es war keine Sekunde langweilig. Mir ist deutlich lieber, ich habe im Alltag, beruflich als auch privat die Chance, zu verstehen wie mein Gegenüber zu bestimmten Themen oder mir gegenüber empfindet, als mit komischem Gefühl im Bauch im Ungewissen zu bleiben, Denn mit Klarheit kann ich umgehen!

Und da ich auch Manipulationsversuche sehr, sehr allergisch reagierek kann ich diese jetzt noch besser erkennen und abwehren. Dieser „Selbstverteidigungswert“ des Gelernten wird sich hoffentlich hier und da zeigen.

Termine

Wenn ihr selbst einmal an einem dieser Seminare teilnehmen wollt, bitte hier entlang.

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