Warum…

Warum bloggen?Warum bloggt man eigentlich? Warum blogge ich eigentlich? Und ist Twittern die Steigerung von Bloggen?

Wenn ich jemand anderen, der womöglich mit Blogs so gar nichts zu tun hat, auf einen für ihn potenziell interessanten Beitrag in meinem Blog hinweise ernte ich oft irritierte, zweifelnde Blicke bis hin zur Frage: Warum bloggst Du eigentlich?

Der Versuch einer ausführlichen Antwort:

An erster Stelle steht beim Bloggen ehrlicherweise die Selbstdarstellung. Klingt spontan erst mal negativ, muss es aber nicht sein. Uns selbst darstellen ist ja etwas, das wir permanent tun. Sei es in einem Meeting durch betont zurückhaltende Sachlichkeit oder eben durch öffentliche Gesprächigkeit in Form eines Blogs. Und nachdem Sahnau und ich uns in FRA-MUC-FRA sehr ausführlich und wortreich (selbstverständlich immer unter dem Hinweis auf den ausdrücklich fiktiven Charakter der Hauptperson!) selbst dargestellt haben ist bei mir dieser Damm schon lang gebrochen. Seinen Lohn erhält der Blogger dann in Form von Aufmerksamkeit, sei es in Form von Seitenzugriffen, von Kommentaren (die dann den darauf folgenden Lesern zeigen: Der wird gelesen und es wird auf das Geschriebene auch noch eingegangen) oder in direkten Reaktionen z.B. per Mail oder Skype. So, dann hätten wir das mal geklärt.

Dann hat Bloggen ja wie das klassische Tagebuchschreiben etwas Ordnendes, Sortierendes. Oft schwirren einem ja über Tage und Wochen Gedanken durch den Kopf, die man nie so wirklich zu Ende denkt oder auch nur mal vernünftig strukturiert. Durch das Bloggen kommt man zwangsläufig dazu, diesen Gedanken eine formell einigermaßen vorzeigbare Form zu geben, wie z.B. meine Grübeleien zu den Grußformeln in Vorarlberg. Das hilft ungemein beim Abschließen derselben. Platz für Neues! Yeah!

Dann ist es zumindest bei mir so, dass sich fast mein gesamter Freundeskreis in einer Berufsgruppe konzentriert, die sehr mobil und flexibel ist – mit dem Resultat, dass er sich mittlerweile über die schöne weite Welt verstreut (Phoenix, London, Madrid, Hamburg, Berlin, etc.). Und da ich mit den meisten nur sehr sporadisch direkten Kontakt habe (und man spart an den Kommunikationskosten wirklich an der falschen Stelle, sagte Herr Sauer selbstkritisch) hält man sich gegenseitig zumindest über oberflächliches sehr gut auf dem Laufenden. Wie gut das funktioniert habe ich bei meinem Besuch bei Ali in London feststellen können: Vieles was er mir erzählte und von London zeigte kannte ich schon aus seinem reichhaltigen – aber geschützten – Blog. Das war für uns beide erstaunlich. Man nimmt über diesen Kanal mehr auf, als man sich bewusst ist.

Und da man seine Lieben ungern langweilt schaut man, dass man sie mit seinen Updates auch ein Stück weit unterhält. Ob und wenn ja wie gut mir das gelingt müssen andere beurteilen.

Dann ist Bloggen auch noch etwas Gestaltendes. Gerade in der IT ist es ja so, dass Vieles, was man den lieben langen Tag lang erschafft doch nur digitale Flüchtigkeiten sind, die man zudem seltenst komplett beeinflussen kann. Wie bleibend ein Blog ist kann man ja selbst steuern. Ein paar Klicks, dann ist es nur noch im Cache von Google existent – dort allerdings für wahrscheinlich ewig – wenn man dies nicht anderweitig beeinflusst.

Das mal zum Thema Bloggen. Und nun zur Steigerung oder eher Ergänzung: Twitter.com!

Twittern ist dann quasi die nächste Stufe. Statt im Rhytmus mehrerer Tage einen Mehrzeiler mit ggf. Bildern zu verfassen beschränkt man sich auf max. 140 Zeichen Lange Statusmeldungen, wie sie mittlerweile auch XING bei sich eingeführt hat. Dadurch hat man es mit einer gestiegenen Frequenz von Beiträgen zu tun, die aber gleichzeitig deutlich weniger Inhalt transportieren. So habe ich heute morgen meine ‚Begeisterung‘ darüber geäußert, dass ich am Mittwoch nach Hamburg muss und bekomme postwendend Reaktionen darauf in Form von ‚Los, lass dort was trinken gehen!‘. Sehr cool.

Witzig ist es, jemandem wie z.B. Florian Hollender zu folgen, der den einen Abend in Berlin fluchend ein Taxi sucht, und am darauffolgenden Morgen in Aachen joggen geht. Das schafft eine ganz eigentümliche Nähe über die Distanz hinweg. Nicht, dass ich Florian je gesprochen resp. getroffen hätte. Nein, ich bin über einen Link zu FRA-MUC-FRA, den er auf seiner Website www.killerconsultant.com platziert hat auf ihn und seine Site gestoßen. Vieleicht erfahren wir mal über Twitter, dass wir am selben Ort sind. Schaumerma. Schön fleissig weitertwittern, der Herr!

Dass bei alledem immer wieder der große Datenschutz-Aufschrei kommt verwundert nicht, macht mich aber ehrlich gesagt nur theoretisch nervös. Klar zucke ich kurz zusammen, wenn eben vermeindlich *alle* zucken, aber hey, solange ich selbst kontrolliere und bestimme, was ich preisgebe ist die Welt für mich in Ordnung.

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