Rolllerrrr – ein Fazit

Piaggio ZIP So, nun bin ich ja seit ein paar Wochen stolzer Besitzer von Rosi = Rosinante = einer Piaggio ZIP. Zeit, Bilanz zu ziehen. Rosi wieder hergeben? No way! Aber ein paar Dinge sollte man sich als Autofahrer durch den Kopf gehen lassen, bevor man auf einen Roller umsteigt. Klar, die Zahlen sprechen für sich: Anschaffung Zip: 1200€, Versicherung ca. 120€p.a. Eine Tankfüllung 10€ – reicht bei mir für 3 Wochen. Und geparkt ist das kleine Teil im Handumdrehen.

Aber im Handling ist das schon ganz was anderes als Autofahren. Vieles davon liegt zwar auf der Hand. Die Auswirkungen im Alltag merkt man dann doch erst mit der Zeit:

Parken – Das ist sicher das größte Plus beim Rollerfahren. Egal, wo man hinfährt – man hat immer einen Parkplatz. Das ist echt der Hammer!

Gurt – das war das erschreckendste Erlebnis auf dem Roller. Bei meiner ersten Vollbremsung habe ich erst mal realisiert, dass man sich beim Autofahren drauf verlässt, dass einen der Gurt in Position hält. Beim Roller rutscht man hingegen mit vollem Impuls (73kg * 45km/h) Richtung Lenker und muss sich mit den Armen abstützen, wobei der rechte auch noch mit dem Gashebel abgelenkt ist. Scary. Das schärft den Blick für den Sicherheitsabstand.

Gleichgewicht – ungleich dem Autofahren ist das Teilnehmen am Straßenverkehr doch etwas anstrengender, da man mit dem ganzen Körper fährt. Und das Kurvenfahren will geübt sein.

Heizung – der Griff ans Armaturenbrett beim ersten Frösteln bringt schnell Ernüchterung. Kein Armaturenbrett da. Kein Griff für die Heizung. Nada, niente! Brrrr.

Radio – das Einschalten von Musik nach den ersten 50m fällt ebenfalls flach. Die Ohren sollte man ohnehin lieber offen halten, damit einen ein überholender LKW nicht überrascht

Stolz – als Rollerfahrer ist man nahe dem unteren Ende der Nahrungskette im Straßenverkehr. Wenn man zuvor im 3er unterwegs war heißt es: Umdenken! Wohl dem, der sein Selbstwertgefühl nicht an der Karosse festmacht. Wohl mir, also.

An Schlangen vorbei fahren – mach ich nicht. Dazu bin ich zu oft auch im Auto unterwegs um zu wissen, dass das völlig nervt.

Keine exakte Spritanzeige – erst blinkt es sporadisch, dann öfter, dann immer wenn man bergauf fährt. Und wenn das vierte Lichtlein brennt (also das Eine permanent), dann heißt es: Tanken! 10€ s.o.

Uhr – bin ich in Time oder spät dran? Ein Blick auf die Instrumente bringt keine Klärung. Da ist nur ein Tacho und ein paar Lämpchen. Und mal eben mit der rechten Hand den linken Ärmel lupfen zum Schauen ist auch schwierig, zumindest bergauf, weil man ja mit rechts Gas gibt. Also: Vorher schauen oder Uhr vorher aus dem Ärmel kramen.

Kommunikation – sehr schön ist die direkte Ansprache an verdiente Verkehrsteilnehmer im Bedarfsfall, also bei besonderen Leistungen. Diese ist dank des offenen Visiers jederzeit möglich. Zum Glück werden meine hessischen Schimpftiraden (*eifahrhaltdusimbl*) hier nur eingeschränkt verstanden.

Handy – wenn man einen Anruf erwartet kann man das Gespräch trotz eventuell vorhandener sofortigen Anhaltemöglichkeit nicht einfach annehmen. Kann man schon, nur hört man durch den Helm so schlecht. Mein Vorgehen: Rechts ran, Handy raus, Gespräch annehmen und erst mal laut verkünden, dass der andere doch bitte dran bleibt, da man ihn nicht hören kann und sich erst des Helms entledigen muss.

Stadtplan – neben sich legen geht auch nicht. Vorher schlau machen.

Kaugummi – Mit der Zunge kann man ja wunderbare Akrobatik veranstalten beim Kauen. Dumm nur, wenn man beim Rausstrecken zum Zwecke des Blasen machens an die Vollvisierscheibe stößt. Zum Glück ist nichts hängengeblieben.

Niesen – mit heruntergezogenem Vollvisier sollte man das Niesen besser unterdrücken. Ist ne Riesensauerei.

Speed – oder eben nicht Speed. Naja, Ali, das ist so eine Sache. Offiziell machen die kleinen Biester nur 45km/h. Klar übertreibt der Tacho ein wenig, aber wirklich schnell ist man nicht. Man ist ja eher gewohnt in der Stadt einen Tick über den 50km/h zu fahren. Und da ist beim Roller schon längst Schluss. Bergab zählt ja nicht wirklich. Ausserdem wird es einem auf der Rennsemmel da schon ein wenig anders. Rosi ist zudem ein Viertakter. Die sind weniger spritzig als die typischen Vespas mit Zweitaktern. Unterschied ist halt, dass der Viertakter eher dieses ‚brrrrrrrr‘ macht und der Zweitakter das nervige ‚bängbängbäng‘. Fazit: Langsamer als mit dem PKW ist man in jedem Fall, aber mit nem Zweitakter ginge es noch etwas schneller als mit meiner kultivierten, aber dafür mäßig beschleunigenden Rosi.

Einkaufen – Kleinigkeiten gehen klasse, das Helmfach ist recht groß. Einen kleinen Kasten WASSER kann man auch vorn zwischen die Füße nehmen (darf man das? ich weiß es nicht!). Aber alles, was darüber hinaus geht und auch nicht in den Rucksack passt funktioniert nicht. Vorn ist noch ein Haken, an dem man Taschen am Henkel fixieren kann, aber der ist da eher symbolisch.

Kleidung – Ich fand Motorradfahrer mit ihren schweren Jacken ja schon immer albern, aber selbst auf dem Roller merke ich, wie einem der Fahrtwind durch die Klamotten pfeift. Ergebnis: Auch im Sommer besser eine Jacke drüber. Meine einzig in Frage kommende ist eine grellgelbe Laufjacke, mit der ich dann wie ein menschgewordener Leuchtmarker aussehe. Was tut man nicht für die Sicherheit.

Blinker – nicht über Rollerfahrer wundern, die auf einer laaangen Geraden immer noch blinken! Ungleich einem PKW besitzt der Roller keinen Mechanismus, der den Schalter bei Wiedererreichen der Geradeaus-Position wieder deaktiviert. Die Disziplin, den Blinker wieder manuell abzuschalten muss man sich erst einmal angewöhnen.

Spielraum – wenn beim Autofahren die Ampel auf Gelb springt kann man im Auto noch mal schnell Gas geben und ein paar km/h über das Erlaubte zulegen, um noch über die Kreuzung zu kommen. Beim Roller ist bei 50km/h Schluss. Sehr deprimierend.

to be continued…

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