Twitter und Toleranz

Mal ernsthaft: Ich rege mich ja auch schnell auf, bin dann in Sekundenbruchteilen auf 180, aber wenige Augenblicke dann auch wieder im Cruising-Modus. Ich bin halt so. Darum ist es auch gut, dass ich unter der Woche fast nur mit der Bahn unterwegs bin und nicht so viel Auto fahre.

Twitter ist meines Erachtens ein Ort(sic!), an dem die schnelle Aufregung und die vorschnell heraus gebrachte Kritik aber nun mal völlig unangebracht ist. Es ist ja nur logisch, dass Twitterer, die bereits Monate oder Jahre (so viele können es ja nicht sein) dort unterwegs sind mittlerweile einen gewissen Stil und Anspruch pflegen und ihn auch praktizieren. Schön für sie, Haken dran. Aber viele, die sich dort glücklicherweise tummeln sind unbefangene drauflos zwitschernde Neulinge, die sich vorher eben nicht so viele Gedanken über ihren nächsten Tweet machen, sondern frei drauflos zwitschern. Authentisch und wortreich. Und so soll es ja auch sein!

Ich habe ja selbst schon so manches mal den Kopf geschüttelt, wenn da jemand ohne jeden erkennbaren Zusammenhang ein paar Begriffe twittert oder Links unkommentiert postet, die womöglich noch über einen URL-Shortener unkenntlich gemacht sind wodurch man nun gar nicht mehr ahnen kann, was einem nach dem Anklicken erwartet. Andere shakern über Stunden per @Reply miteinander herum, weil sie sich gerade ein Stück näher gekommen sind.

Nun könnte man hergehen und denjenigen darauf hinweisen, dass er meine Timeline mit seinem Chat überflutet und ihm den Wechsel zu Direct Messages nahe legen. Für einen Moment war mir danach. Aber: Ist es nicht süß und nett mit anzusehen, wie sich da zwei näher kommen? Ich fand es leztlich drollig und habe davon abgesehen, die beiden womöglich per öffentlicher @Reply darauf hinzuweisen. Das hätte die beiden Turteltäubchen doch nur unnötig unter Druck gesetzt.

Manche Tweets entsprechen nicht gerade allen Schulregeln der deutschen Sprache. Na und? Muss derjenige dann wirklich öffentlich (per unkommentiertem Link) darauf hingewiesen werden? Wer jeden seiner Tweets vor dem Absenden einer umfänglichen Prüfung auf sprachliche Regelkonformität unterzieht nimmt sich letztlich die Authentizität und raubt sich selbst einen Gutteil des Spaßes am Twittern.

Zusammengefasst: Entweder kenne ich denjenigen und kann diese Aktionen dann zuordnen, dann macht es mir nichts aus. Bei anderen bin ich dann verwirrt, ärgere mich vielleicht, kann dem/der Guten mich dann  im Extremfall mit 2 Klicks von der Fährte entfernen. So einfach!

Freedom of Choice! Toleranz! Leben und leben lassen! Davon lebt das Ganze letztlich ja. Tweet on!

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