Social Media Berater?

beraterberaterZunächst habe ich gedanklich eingestimmt in die sich immer weiter verbreitende Schimpferei über selbsternannte Social Media Berater.Zu groß schienen mir die Unwägbarkeiten und Dynamiken, die in diesem Thema wirken. Demnach schien es mir vermessen, dass jemand von sich behauptet, jemanden anderen gar in diesen Dingen zu BERATEN, eine Firma womöglich, die weiß Gott extrem viel in dieser Arena falsch machen kann. Aber wir Deutschen schimpfen ja so gern und urteilen auch schnell mal jemanden oder eine ganze Gruppe ab. Nun gut, zum Glück ist der Kopf rund.

ALs ich mir das Thema aber dann einmal gründlicher durch Selbigen habe gehen lassen kam ich zu der Einschätzung, dass Social Media trotz und gerade wegen seiner Unwägbarkeiten durchaus ein Feld ist, in dem jemand eine belastbare Extertise aufgebaut haben kann. Ohne eigene aktive Erfahrung auf dem Gebiet allerdings halte ich es nicht für konzeptionell beherrschbar. Wer noch z.B. nie gebloggt, wenigstens kommentiert hat und Twitter nur aus Spiegel-Artikeln kennt, von anderen Plattformen ganz zu schweigen, dem darf bei Konzepten, die diese Mittel verwenden, berechtigterweise skeptisch sein. Hm, oder besser: Mit gutem Gewissen misstrauen!

Wie verträgt sich die Belastbarkeit von Einschätzungen und Konzepten im Bereich Social Media mit den genannten Unwägbarkeiten? Genau diese Fähigkeit, die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Maßnahmen als hoch einschätzen zu können, aber dann auch die Grenze kennen, ab der so gut wie keine gesichterten Vorhersagen getroffen werden können ist m. E. die Kunst und macht einen guten Ratgeber aus. Er weiß, bis wieviel Meter der Sandstrand vom Ufer aus noch erwartet werden kann und ab wo mit Schlammlöchern und tiefen Gräben zu rechnen ist.

Aus diesem Grund meine ich wir sollten lieber einmal über die Definition von Social Media Beratung nachdenken, als die ersten, diesich den Titel geben gleich einen Scharlatan zu nennen.

  3 comments for “Social Media Berater?

  1. 5. November 2009 at 14:47

    Hallo Karsten, die Diskussion ist ja nicht neu. Natürlich muss es Beratung geben für den Einsatz von neuen Kulturtechniken. Deren Anwendung ist für Berater allerdings Grundvoraussetzung und sollte selbstverständlich sein. Ist es ja bei vielen auch schon, deshalb hat Facebook 300 Mio. Mitglieder.
    Es gibt auch genug Software-Berater und Trainer für SAP und Co. Also darf es auch Twitter-Coaches geben, das ist alles ok.
    Nur: Wenn es im Unternehmen um Social Media geht, dann immer im Kontext der Unternehmenskommunikation. Als guter Berater sollte ich vor allem davon Ahnung haben. Vom Unternehmen, und von seiner Kommunikation. Dieses Thema wurde auch schon bei David Nelles diskutiert: http://digital-conversation.de/2009/10/06/zeit-erwachsen-zu-werden-%E2%80%93-social-media-beratung-mus-sich-professionalisieren/comment-page-1/#comment-1499

    Deshalb gibt es streng genommen keine „Social Media Beratung“. Denn wenn ich über Kommunikationsstrategien spreche, darf ich nicht nur über Social Media sprechen, das wäre Bullshit.
    Wenn ich allerdings Anwendungs-Trainings für Twitter und Facebook anbiete, ist das keine Social Media Beratung, denn der strategische Kommunikations-Aspekt fehlt, und wenn doch einer herbeigezaubert wird, setzt sie sich meist aus Mainstream-Aussagen zusammen, die nicht auf die speziellen Gegebenheiten in den zu zu beratenden Unternehmen eingehen.

    Ein weiterer Aspekt: Wir befinden uns momentan in einer Phase der Selbstfindung. Es ist sehr viel in Bewegung und keiner weiß so ganz genau, was am Ende dabei rauskommt. Als Berater sollte ich vor allem Erfahrung mitbringen. Nur: In Deutschland kann keiner sagen, er mache schon seit 20 Jahren „Social Media Beratung“, das geht de facto nicht. Wir sind vielleicht Spezialisten in der Anwendung, aber, wenn wir ehrlich sind, wir haben keine Routine in diesen Dingen, wenn es um Unternehmenskommunikation geht.

  2. 6. November 2009 at 14:05

    @Thilo Ah, ok. Also nimmst Du eher eine ‚Mangelnder-Kontext-Kritik‘ denn eine speziell auf die ‚Unwägbarkeiten, die manche für beherrschbar halten‘-Kritik wahr?

  3. 6. November 2009 at 14:14

    Ich meine eine Alle-reden-über-Social-Media-aber-alle-wollen-etwas-anderes-Kritik. :-)

Schreibe einen Kommentar