Von Marktplätzen und Kissenbeilegern

Wenn wir uns auf einem öffentlichen Platz treffen und uns dort kennen lernen und austauschen, uns verbinden und vielleicht anfreunden dann ist das etwas Großartiges! Aber es ist nur der Anfang. Öffentliche Plätze sind Twitter, sind Blogs, sind Foren – alles was frei zugänglich ist. Etwas geschlossener wird es auf Plattformen, bei denen ein beidseitiges Einverständnis Basis für eine Verknüpfung ist, sei es XING, Facebook oder die vielen Wannabe-Dienste in deren Windschatten.

Dort sind Briefkästen aufgestellt, in denen wir für den anderen etwas hinterlegen können. Zwar bekommen wir Benachrichtigungen, daß dort etwas für uns vorliegt – sei es eine an uns gerichtete Nachricht oder eine ‚Freundschaftsanfrage‘. Der Austausch miteinander aber findet aber außer Haus auf diesen Marktplätzen statt, nicht bei mir zuhause. Das entspannt und macht offener.

Persönlicher wird es erst bei dem was früher als unpersönlich galt: Der direkten Mail an meine persönliche Mailadresse. Wenn diese bei WEB.DE, GMX oder bei einem der anderen Provider liegt schwebt noch eine gewisse Unpersönlichkeit mit, aber die eigene Inbox ist 2010 zum Primär-Briefkasten geworden und wer womöglich seine eigene Domain unterhält, der wird mit einer Mail direkt erreicht. Wenn mir jemand dorthin etwas sendet schickt es zu mir in mein digitales Zuhause. Ungleich der Briefkästen auf Marktplätzen muß ich mir die Nachricht nicht holen sondern sie erreicht mich direkt (Jaja, FB und XING senden mittlerweile endlich mal den Inhalt mit, aber das zählt nicht). Aber die Nachricht ist primär erst mal nur auf meinem Rechner.

Die nächste Stufe ist die SMS. Den Rechner schalte ich ja irgendwann aus. Nur die Eigenschaft als Smartphone bringt mir Deine Mail direkt auf das Gerät, das ich immer bei mir habe, die möchte ich bei dieser Betrachtung aber vernachlässigen. Die SMS aber – die direkte direkte schriftliche Kommunikation über das Gerät, das ich stets bei mir hab –  sie erreicht mich mit einem aufmerksamkeitsstarken Signal rund um die Uhr. Aber eben nur schriftlich. Trotzdem ist das Smartphone der Kissenbeileger der Neuzeit geworden. Das ist schon verdammt nah.

Der nächste Schritt ist aber erst getan, wenn Du mich tatsächlich anrufst. Dann hast Du mich in Echtzeit an der Leitung. Hilfe! Mit einem Mal ist die ganze Sicherheit der Asynchronität verloren. Nix mehr mit in Ruhe ausbrüten, was man da so tippt sondern jetzt sind Sekunden und Bruchteile davon in der Kommunikation relevant. Scary, was? Aber das ist ja noch nicht alles.

Jetzt wirf mal all die Werkzeuge, die so viel Kommunikation ermöglichen (aber auch vor so vielem schützen) beiseite: *wirklich* treffen und sprechen wirst Du nur erst mit mir wenn Du mich triffst. Ja, Face to Face! Die ganze Palette der direkten Kommunikation! Diese Königsklasse der Zusammenkunft ist bei all den Werkzeugen, die uns zusammenschalten ein wenig ins Hintertreffen geraden. Da lobe ich mir BarCamps, pl0gbars und all den Zirkus, den jene von uns sich einfallen lassen, denen wichtig ist, worum es in dem ganzen Spiel wirklich geht: Begegnung.

Foto: Rosebud 23

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