Extraleben

Dank langer Zugfahrten am Wochenende habe ich endlich geschafft, das Buch ‚Extraleben‚ von Constantin Gillies fertig zu lesen. Es gibt bereits die Fortsetzung (Der Bug), so dass ich mit dem Thema gnadenlos hinterher bin. Zum Inhalt:

„Eigentlich wollen Nick und Kee nur ihren Commodore 64 abstauben. Noch einmal in die Welt von Space Invaders, Pac-Man und Donkey Kong zurückreisen. Doch der Nostalgietrip endet mit einer Überraschung: In einem Spiel aus den Achtzigern entdecken die alternden Joystickhelden eine geheime Botschaft: „WELCOME TO DATACORP“. Plötzlich erwacht der alte Hackerinstinkt wieder. Die Freunde gehen im Dschungel der Bytes auf die Jagd – und entdecken eine weitere Spur: Sie führt nach Iowa, mitten in die amerikanische Provinz. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Von der digitalen Schnitzeljagd magisch angezogen, tritt das Duo die Reise in die USA an. Für die Hobby-Computerarchäologen beginnt eine Odyssee um die halbe Welt – und durch die Geschichte der Games. Doch am Ende wird das Spiel ernster, als die Freunde ahnen.“

Beim Lesen kamen mir spontan ein paar Fragen, die mir Constantin in Rekordzeit beantwortet hat – Google Docs sei Dank habe ich die Fragen unten weiter angefügt, während er oben bereits die Antworten schrieb. Nice. Online-Collaboration at it’s best. Und das Ergebnis möchte ich euch nicht vorenthalten.

Zur Lektüre: Die ersten zwei Drittel ziehen sich schon ein wenig und sind mächtig angefüllt mit Stories und Hintergründen zur ganzen Evolution der Games vom Lunar Lander über Pong bis zum heutigen Geballere. Ungefähr die Hälfte kannte ich nicht, die andere hat mir dann ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. Aber das Durchhalten lohnt sich, weil es dann gegen Ende schon spannender wird. Zu den Fragen:

Warst Du an all den beschriebenen Orten?
Ich sags mal mit Karl May: Die aaaaallermeisten Schauplätze in “Extraleben” habe ich wirklich besucht ;-) Roswell und Rachel (Area 51) zum Beispiel, das waren in den Neunzigern halt so Pflichtziele für Nerds auf Reisen.

Wieviele der Legenden sind tatsächlich im Umlauf, welche für das Buch ggf. erfunden?
Der Plan war, dass alles, was in “Extraleben” passiert, einen realen Hintergrund hat: Die Drohne, die Wanze, Kram wie Mikrowellenwaffen – all das gibts so oder so ähnlich schon. Der ganzer Nerdstuff, die Legende von den vergrabenen Atari-Videspielcartridges, vom Polybius-Automaten und alle Details zur Gaming-Geschichte sind natürlich recherchiert und 100 Prozent authentisch. Hoffe ich zumindest.

Du bist der Ich-Erzähler, richtig? Zu wieviel %? Und zu wieviel % bist Du Nick?
Romanautoren behaupten zwar immer, dass sie üüüberhaupt nichts mit ihren Figuren gemeinsam haben, aber ich bin da skeptisch. Niemand schreibt im luftleeren Raum. Ich würde sagen, dass ich mich gleichmäßig auf den Ich-Erzähler und Nick aufgeteilt habe. Vor allem aber stecken meine besten Kumpels da drin.
Natürlich beruhen auch große Teile der Handlung auf persönlichen Erlebnissen, schließlich habe ich in den Achtzigern mal selbst eine geheime Botschaft in einem Game gefunden (oder zumindest dachte ich das damals). Bei “Der Bug”, also der Fortsetzung zu “Extraleben”, spielen persönliche Erfahrungen nicht mehr so eine große Rolle. Da ist mehr komplett ausgedacht.

Hattest Du wärend des Schreibens Kontakt zu, ja zu wem eigentlich? Atari? Commodore (wer hat den eigentlich hergestellt? Hieß die Firma so?)
Ich habe versucht, Nolan Bushnell, den Gründer von Atari für ein Testimonial zu gewinnen. Er hat meine Faxe (!) allerdings ignoriert.

Warum hast Du das Buch ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt geschrieben. War der Abstand zu der Zeit damals erst jetzt ausreichend groß?
Ne, das hatte eher pragmatische Gründe. Ich habe ja vorher schon zwei Sachbücher geschrieben, zum Beispiel über “Star Wars”, und die liefen auch ganz gut. Aber gerade nach dem SW-Buch dachte ich: “Mensch, jetzt hast du so viel Zeit damit verbracht, die Fantasie eines anderen Menschen auseinanderzudröseln, in der Zeit hättest du auch deine eigene aufschreiben können.” Und dann habe ich einfach angefangen – vor allem abends, und ohne Verlag, Vorschuss etc.

Wie lange hast Du gebraucht vom Anlegen des Dokuments bis zum ersten Exemplar in der Hand?
Die Recherche hat die halben Achtziger gedauert, das Schreiben ging ziemlich schnell, ungefähr ein halbes Jahr.

Welche der alten Kisten hast Du (noch) zuhause?
“Extraleben” zu schreiben war natürlich der geniale Vorwand, meinen Schuhkarton mit alten Disketten aus den Achtzigern nochmal durchzuschauen. Den 64er hatte ich noch. Soweit die Retro-Grundausstattung. Teile von “Der Bug” habe ich auf einem TRS-80 Modell 100 geschrieben (der wurde später unter den Lesern verlost). Ein paar alte Apfelkisten stehen auch noch im Keller. Als ernsthaften Sammler würde ich mich aber nie bezeichnen, dazu bin ich technikmäßig nicht fit genug. Ich bin halt doch kein Nick.

Das Interview würde per Google Docs geführt.

Disclosure: Ich kenne Constantin schon recht lange, seit dem in einem seiner früheren Werke über Dotcoms, in dem es auch im meinen damaligen Arbeitgeber ging. Wir sind Buddies und ich habe das Exemplar auch mit persönlicher Widmung geschenkt bekommen. Nicht unerwähnt bleiben darf: Die Macht mit uns. Star Wars und die Folgen.

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