Gesättigt versus ungesättigt

Es ist immer wieder erstaunlich: Manche Menschen scheinen prädestiniert für Twitter und Co. – und anderen läge nichts ferner, als sich auf diesen Plattformen auszutauschen. Erstere blühen im vermeintlichem Banalitäten-Geschnatter auf, zweitere finden es bestenfalls befremdlich. Dazwischen ist die Luft dünn.

Reflexartig mag man jetzt die alte Mär von „Digital Native vs. Immigrant“ herauskramen oder meinetwegen den deutlich plausibleren Ansatz „Visitor vs. Resident“. Aber auch diese Unterscheidung trifft es nicht. Persönlich bin ich mittlerweile zu der Einschätzung gekommen, dass die Sättigung mit sozialen Beziehungen entscheidend ist.

Ich skizziere die beiden Extreme mal eben:

Der Gesättigte
Ein Mensch wacht morgens neben seinem Partner auf, nimmt die erste und die letzte Mahlzeit des Tages mit der Familie ein, verbringt den Tag dazwischen im direkten Austausch mit Kollegen und Kunden, verlebt den Abend eventuell mit Freunden und schläft wieder neben seinem Mann oder seiner Frau ein. Warum in aller Welt sollte sich jemand mit einem solch kontakterfüllten Leben – in Nerdsprech auch „RL“, also „Real Life“ genannt – auch nur ansatzweise für die Befindlichkeiten völlig fremder Menschen interessieren? Dieser Mensch ist gesättigt mit sozialen Beziehungen.

Der Ungesättigte
Auf der anderen Seite steht der Mensch, der in seinem Real Life viel allein ist. Eventuell ist er Single, arbeitet als Freelancer allein im Büro und unternimmt Solo-Reisen. Womöglich ist seine Familie und sein Freundeskreis geographisch sehr „zerhackt“, liegt im dümmsten Fall sogar in verschiedenen Zeitzonen. Dieser Mensch ist ungesättigt, ja hungrig nach sozialen Beziehungen.

Das sind natürlich nur die beiden Extreme und wie bei allem liegt die Wahrheit in der Mitte. Ich selbst liege auch irgendwo dazwischen, um hier gleich mal besorgten Blicken vorzubeugen. Und freilich gibt es Menschen, die in einem gesättigten Beziehungsumfeld leben und sich darüber hinaus für andere, „fremde“ Menschen aktiv interessieren. Aber die stören hier nur das polare Bild.

Die große Frage
Welcher der beiden Typen da oben wird wohl die Möglichkeiten, die ihm Facebook, Twitter und all die anderen Netzwerke bieten, mit offenen Armen annehmen und sich zunutze machen? Na? You do the math.

Noch was: Den Post hätte ich schon vor Tagen live gestellt, wenn ich nur ein passendes Bild dafür gefunden hätte. Wenn Du einen Vorschlag für mich hast – immer her damit!

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